Wie finde ich meine berufliche Perspektive?


In 7 Schritten zur passenden Jobidee …

Haben Sie auch nach zwei Wochen im neuen Jahr noch beste Vorsätze, Ihre berufliche Zufriedenheit in 2017 deutlich zu erhöhen?

Aber wie könnten Sie erst mal vorsichtig loslegen, ohne dass Sie zu viel Zeit oder gar Geld investieren möchten?

Ich stelle Ihnen in diesem Blogartikel mein Geschenk für Sie vor: Mit der Jobideen-Matrix sind Sie in 2 x 90 Minuten mindestens 7 Schritte weiter und wissen schon etwas genauer, was Sie können und wohin Sie wollen. Das Tool können Sie hier downloaden.

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein neues Projekt. Bevor Sie durchstarten macht es Sinn, dass Sie das Projektziel, Projektvoraussetzungen, Meilensteine und das Zusammenwirken aller Einzelbausteine klären. Diese Schritte sind den meisten von uns vertraut. Übertragen Sie einfach Ihre Projektkompetenz auf Ihr Projekt der beruflichen Orientierung.

1. Sammeln, sammeln, sammeln

Wie wäre es, wenn Sie als erstes einen passenden Titel für Ihr Jobprojekt finden: beispielsweise: „meine berufliche Perspektive für 2017“ oder „Mein Traumjob“ oder (mein Motto) „für mein erfülltes Berufsleben“ oder „Dieses Jahr pack ich den Absprung“? Wie lautet Ihr Titel für Ihr Jobprojekt?

Dann lassen Sie uns mit den Einzelbestandteilen Ihres Zukunftsprojekts beginnen. Ich schlage vor, Sie machen sich Gedanken über:

  • Ihre Sehnsüchte und Ihre Bedürfnisse: Die meisten Menschen wissen sehr gut, wo Sie nicht hinwollen, aber auch darüber können Sie im Umkehrschluss ein paar Punkte finden, wo es Sie hinzieht.
  • Ihre beruflichen Erfahrungen: Niemand kommt mit leeren Händen. Sie tragen schon einen ganzen Rucksack an wertvollen Bausteinen mit sich herum. Schauen Sie nun, welche Bausteine Ihnen davon gefallen und welche Sie gerne als nicht benötigten Ballast abwerfen möchten.
  • Ihre Interessen: Schauen Sie doch einmal ganz aus der Vogelperspektive auf das, was Sie im Laufe Ihres Lebens interessiert hat. Manche Leidenschaft ist vielleicht inzwischen in Vergessenheit geraten und muss wieder ausgebuddelt werden. Zu manchem haben Sie schon lange Lust, gestehen sich die Zeit allerdings nicht zu.
  • Ihre Kompetenzen: Hängen Sie den Kompetenzbegriff nicht zu hoch auf. Tragen Sie einfach alle Fähigkeiten, die Sie im Lauf Ihres Lebens angesammelt haben zusammen, da gibt es persönliche Fähigkeiten (offen auf Neues zugehen) , soziale (humorvoll kommunizieren), methodische (Probleme gut analysieren) und fachliche (Expertenwissen Medizintechnik). Die Liste wird sicher länger als Sie denken.
  • Ihre bevorzugten Orte und Menschen: Wir alle arbeiten gerne in einer für uns förderlichen Umgebung und mit Menschen zusammen, die vielleicht ähnlich ticken unsere Art zu arbeiten teilen. Finden Sie heraus, in welchem „Biotop“, und mit welchem Typus Mensch Sie gerne in Zukunft zusammenarbeiten möchten, dann können Sie sich auf die Suche nach diesen Orten und Menschen machen.

jobideen-matrix2. Sortieren und fokussieren

Nun haben Sie eine große Sammlung an „Baumaterial“ angelegt. Sichten Sie die Sammlung und finden Sie für die einzelnen Bereiche heraus, welche Aspekte Ihnen besonders wichtig sind.

3. Kombinieren

Eine Kreativitätstechnik, mit der Sie Ihre Ergebnisse weiterarbeiten können, ist die sogenannte „heuristische Matrix“. Hört sich schlimmer an, als es ist. Das ist einfach eine Art und Weise, verschiedene Aspekte frei zu kombinieren, um zu möglichst vielen verschiedenen Ideen zu kommen. Stellen Sie sich vor, die Matrix ist Ihre große Spielwiese: Sie sitzen vor Ihren Bausteinen und probieren aus, was zusammenpasst, was gemeinsam gut aussieht, was vielversprechend wirkt. Das Ausprobieren können Sie auch gerne zu zweit oder zu dritt durchführen, das macht mehr Spaß.

4. Dokumentieren

Schreiben Sie erste Ideen auf, selbst wenn diese noch so verrückt sind. Lassen Sie diese Ideen mindestens über Nacht ruhen. Nur so hat Ihr Unterbewusstsein Zeit, auch ausgefallenen „Hausentwürfen“ eine Chance zu geben und in der großen unbewussten Bibliothek einen ersten Abgleich vorzunehmen, was gut zu allem, was da im Dunkeln gelagert ist, passen könnte. Denn wenn Sie Ihr Unterbewusstsein nicht für eine neue Jobidee begeistern können, dann haben Sie verloren, deswegen gehen Sie hier behutsam vorwärts.

5. Werte überprüfen

Ein wichtiger Baustein fehlt noch. Das ist sozusagen der Kapo auf dem Bau, an dem Sie vorbei müssen. Er macht die Qualitätskontrolle, damit Ihr Haus nicht zusammenstürzt. Deswegen ermitteln Sie nun noch Ihre Werte und fassen das, was Ihnen im Leben wichtig ist für sich zusammen. Erst dann können Sie anhand dieser wert-vollen Kriterien überprüfen, ob eine Jobidee für Sie etwas taugen könnte oder eben auch nicht. Wenn Ihre Werte Harmonie und Kollegialität sind, sollten Sie vielleicht nicht im Unternehmensberatungsumfeld oder als Anwältin arbeiten…

6. Ranking erstellen

Aus der Jobideen-Matrix lassen sich leicht zehn oder mehr Ideen generieren. Nach der Wertekontrolle sind vielleicht einige herausgeflogen. Nun haben Sie optimalerweise drei bis fünf neue Jobideen übrig, mit denen Sie ein Ranking erstellen. Dieses Ranking bezieht Ihr Bauchgefühl mit ein. Sie sollten aber bei den verbleibenden Ideen auch tiefer in die Recherche gehen, um eine solide Entscheidung treffen zu können. Weitere Ranking-Kriterien könnten sein, ob die Idee in Ihre jetzige Lebensphase passt und ob sie in den nächsten drei bis fünf Jahren realistisch umsetzbar ist.

7. Prototypen finden

Sie sollten auf keinen Fall Ihren Job nun aus lauter Begeisterung sofort an den Nagel hängen. Eine Entscheidung in dieser Tragweite sollte gut unterfüttert sein, damit Ihr „Traumjob-Haus“ nicht beim ersten Sturm weggeweht wird. Die Basis schaffen Sie mit ersten beruflichen Erfahrungen – selbst wenn Sie dafür noch nicht bezahlt werden – in der Laufbahnberatung nennen wir das Probehandeln. Das Probehandeln geschieht über sogenannte Prototypen, mit denen Sie im Kleinen das austesten, was Sie im Großen machen möchten. Angenommen, Sie wollen spezialisierte Kinderfotografin werden, dann gestalten Sie Ihren ersten Kinderkalender mit Ihren Fotos, lassen ihn drucken und versuchen, ihn beispielsweise an Kindereinrichtungen oder Eltern zu verkaufen. Angenommen, Sie möchten eine Bar oder ein Café eröffnen, dann suchen Sie so lange, bis Sie jemanden finden, der Sie eine mindestens zweiwöchige eigenverantwortliche Urlaubsvertretung machen lässt (selbst wenn Sie dafür unbezahlten Urlaub nehmen müssen!).

Wenn Sie wissen, wohin Sie wollen, ist – wie anfangs beschrieben – eine neue Jobidee nichts anderes als ein Projekt. Die meisten von uns können auch komplexere Projekte eigenständig umsetzen. Und Sie wissen ja, ein Projekt besteht schlichtweg aus vielen kleinen sinnvollen Schritten. Dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim Losgehen und dass Sie Ihre spannende berufliche Perspektive in 2017 finden.

Hier geht’s zum Jobideen-Tool.

Berufliche Neuorientierung à la Carte – Teil 4: Essen und das Neue feiern


Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem beruflichen Neuentwurf!

(Umsetzungsphase, Online-Kurs Modul 9 und 10)

Nach einem langen Vorbereitungstag in der Küche und dem immer wieder anstrengenden Kochen geht es jetzt endlich ans Essen. Vielleicht werden Sie Ihr Menü erst einmal in kleinem Kreis verkosten wollen, um mit Hilfe Ihrer Testesser alles noch ein wenig zu optimieren. Manchmal müssen Sie es vielleicht auch ganz verwerfen, weil sie sich schlichtweg verschätzt haben. Die Kombination der Zutaten schmeckt doch nicht so gut, wie Sie sich das vorgestellt haben. Oder außer Ihnen schmeckt es niemandem? (Fisch an Orangenmarmelade oder Schokolade mit Kapern war vielleicht doch zu ausgefallen?) Lassen Sie sich nicht ermutigen. Die Kombination Ihrer Zutaten bietet wirklich so viele Möglichkeiten, dass Sie sicher eine neue Lieblingsidee finden können.

Wenn Sie sich dann auf ein Menü festgelegt haben und es an den Mann oder an die Frau, sprich an Kunden oder an Arbeitgeber bringen möchten, kommen weitere Schritte dazu, die ich Ihnen hier kurz vorstellen will. Restaurants sind auch nicht fertig mit der Arbeit, wenn sie die Speisekarte optimal vorbereitet haben, da wären dann noch Fragen der Bekanntmachung (Corporate Design, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing) zu klären, sowie Fragen des Vertriebs und des optimalen Services, bis sie den gewünschten Draht zu ihren Wunschkunden haben und sich vor Reservierungen nicht mehr retten können.

Wie kann ich vor dem großen Essen Probekochen?

Angenommen Sie haben da ein oder zwei großartige Ideen, trauen Sie sich aber noch nicht so recht zu oder möchten erst einmal abschätzen, ob diese Ihnen in der konkreten Umsetzung immer noch schmecken werden. Dann fangen Sie es klein an. Veranstalten Sie im kleinen Rahmen eine Verkostung und verfeinern Sie durch erste Kundenrückmeldungen Ihr Produkt.

Anna könnte (bevor sie ihre jetzige Anstellung kündigt und auf Arbeitsreise geht) ein oder zwei Testkunden gewinnen, denen sie ihre zukünftige Dienstleistung kostenlos anbietet. Und sie könnte auch eine Webinar-Happy-Hour mit kleinen Leckerbissen aus ihrer Schreibküche anbieten und sich dadurch bekannt machen.

Lorenz könnte eine tolle Präsentation erstellen, diese in Wohnanlagen für Senioren oder an Akademien für Ältere in Vorträgen vorstellen und ins Gespräch mit seiner zukünftigen Zielgruppe kommen, damit er mitbekommt, was diese wirklich interessiert und wo ihr echter Bedarf beim Thema Computeranwendungen ist. Oder er bietet einen Schnupper-Erlebniskurs mit dem Tablet an, das im Kurspreis inbegriffen ist und zeigt Anwendungen, die süchtig machen…

Beide haben sich dadurch bereits selbst einen kleinen Job in ihrem zukünftigen Arbeitsumfeld geschaffen. Sie merken beim Ausführen dieser Jobidee nun selbst, ob Ihnen die Küche, in die sie hineinschnuppern, gefällt, welche Köche da noch so unterwegs sind, was die Spielregeln der jeweiligen Chefkochs sind. Es geht also um Erfahrungen, die sehr leicht gemacht werden können, aber unbezahlbar sind, wenn Sie darauf eine ernsthafte Berufstätigkeit aufbauen möchten.

  • Welches kleine Probeprojekt könnten Sie entwickeln, um Ihre Idee zu verkosten?
  • Wer könnte Sie bei der Umsetzung unterstützen?
  • Wo könnten Sie Ihre Dienstleistung, Ihr Produkt oder Ihre neugierige Arbeitskraft anbieten?

Download Fragebogen: Häppchen 4 (10 Fragen)

Mit wem will ich essen?

Nach den ersten Erfahrungen mit Ihrem individuellen Menü und ersten Rückmeldungen der „Testverkoster“, hat sich Ihre Idee vielleicht nochmal geändert oder zugespitzt. Oder Sie haben sie verworfen und eine andere Idee getestet, die Ihnen nun mehr zusagt (manche benötigen hier auch Zeit, um mehrere Ideen auszuprobieren, bis sie lustvoll zubeißen).

Nun ist es an der Zeit aus der Idee ein echtes Vorhaben mit klarem Ziel zu machen.

  • Wie heißt Ihr smartes Ziel? (Sie alle können sicher Ziele nach der SMART-Formel formulieren.)
  • Aber noch wichtiger: Wie fühlt es sich an? Fühlen Sie eine Art Erwartungsspannung, so wie als Kind vor einem Geburtstag? (Und es geht ja auch um eine Geburtsstunde.)
  • Mit wem wollen Sie essen? Blättern Sie nochmal in Ihren Antworten der letzten „Häppchen“. Wer ist Ihre Zielgruppe? Wem möchten Sie Ihr Menü zum gemeinsamen Essen anbieten?

Lucys Ziel heißt: „Ich finde bis Ende 2016 eine Stelle als gut bezahlte Assistentin einer freundlichen essenFührungskraft in einem Umfeld, das mir gefällt.“

Sie kann sich schon gut am Schreibtisch stehen sehen und wüsste sofort, sagt sie, ob sie mit ihrem Chef klar kommen würde oder nicht (es muss für sie übrigens ein männlicher Chef sein). Sie hat ein bisschen Angst, weil sie als Industriekauffrau keine klassische Sekretärin ist, dafür hat sie aber vielseitige Erfahrungen in der Bürokommunikation und gute Zeugnisse aufzuweisen.

Am liebsten wäre es ihr, eine Stelle in einem „grünen Unternehmen“ oder in einem Architekturbüro zu finden, da sie sich schon immer sehr für Architektur interessiert. Branchenerfahrung hat sie auch in der Lebensmittelindustrie. Vielleicht bewirbt sie sich auch bei einem Biokonzern.

Die Zeitplanung und Plan B für Notfälle in der Küche?

Nachdem das Ziel klar ist, können Sie die Umsetzung Ihres Menüs wie jedes andere Projekt planen, mit einem Zeitplan und natürlich mit Meilensteinen: Wenn beispielsweise das Dessert fertig ist, gibt es erst einmal eine Kostprobe und auch der Wein sollte schon mal probiert werden. Verschieben Sie die große Feier nicht auf Danach, sondern gestalten Sie auch den Weg schon als Fest!

Und der gute Koch sorgt vor: Falls die Mousse au Chocolat gerinnt oder die Fleischklöpschen anbrennen, zaubert er immer eine Lösung aus dem Hut. Nehmen Sie Hindernisse vorweg und legen Sie mit Wenn-dann-Plänen alternative Wege oder andere Zubereitungsarten fest.

Anna überlegt: Wenn ich keinen Testkunden finde, dann erfinde ich einfach eine fiktive Firma und werbe mit diesen Mailings. Wenn ich mit meinen Webinaren nicht an klassische Redakteure herankomme (weil sie meine Fachkompetenz nicht anerkennen), dann gehe ich an Online-Redakteure, die sind da vielleicht offener. Wenn mir unterwegs das Geld ausgeht, weil nicht genug Aufträge reinkommen, werde ich eben (wie als Studentin) zwischendrin Work & Travel machen, das schreckt mich auch nicht ab. Etc.

  • Wie sieht Ihr Projektplan für die Umsetzung Ihres neuen Jobprojekts konkret aus?
  • Welche Hindernisse könnte es auf dem Weg geben und wie können sie ihnen begegnen?

Wie überzeuge ich beim gemeinsamen Essen?

Tatsächlich, Sie sind zu einem Vorbereitungsgespräch eingeladen oder Sie haben Ihren ersten bezahlten Auftrag. Jetzt werden Sie schon nervös, gell? Aber stellen Sie sich vor, Sie sind besten aufgestellt. Sie sind nun im besten Sinne des Wortes selbst-bewusst.

Wenige haben Ihre individuelle Leistung so systematisch und durchdacht aufgebaut wie Sie. Wenige wissen so genau, was Sie können und wollen – und was Sie nicht können und wollen. Damit haben Sie die beste Vorarbeit geleistet, um im Bewerbungsgespräch oder im Kundenkontakt zu glänzen.

Und das Beste ist: Wenn Sie Ihr Ding machen, strahlen Sie ganz von alleine und nichts überzeugt mehr als Präsenz und Authentizität. Wenn Sie von Ihrer Sache überzeugt sind, dann können Sie andere anstecken mit Ihrer Begeisterung. Ich habe es schon erlebt, dass extra eine Stelle für eine Person geschaffen wurde, weil die ausgeschriebene Stelle doch nicht zu 100 Prozent gepasst hatte. Aber das, was die Klientin anzubieten hatte, war so überzeugend, dass der Arbeitgeber lieber doch zugegriffen hat, bevor das Sahnestückchen an einen anderen Arbeitgeber geht…

  • Formulieren Sie zu jeder Ihrer Fähigkeiten und zu Ihrer Spezialität einen Satz
  • Bereiten Sie sich auch nochmal schriftlich auf die Frage vor: Was erwarten Sie von uns als Ihrem zukünftigen Arbeitgeber? Die Bestandteile der Antwort haben Sie bereits gesammelt.

Download Fragebogen: Häppchen 4 (10 Fragen)

Guten Appetit!

Lassen Sie es sich schmecken, ich freue mich, wenn Sie am Ziel Ihrer Träume angekommen sind. Und ich freue mich darüber hinaus für uns alle, dass jetzt auch andere etwas davon haben, wenn Sie lecker arbeiten: nämlich einen motivierten Mitarbeiter, eine glückliche Kollegin oder eine fähige Geschäftspartnerin!

Ich lade Sie herzlich ein, Ihre individuelle Jobmenü-Idee hier in die Kommentare zu schreiben. Erstens committen Sie sich dadurch, zweitens weiß ich dann, wofür ich Ihnen die Daumen drücken darf.

Liebe Grüße und viel Erfolg!

Ihre Martina Nohl

Berufliche Neuorientierung à la Carte – Teil 2: Das Menü zusammenstellen


So stellen Sie sich Ihr individuelles Job-Menü zusammen

(Erarbeitungsphase, Online-Kurs Modul 3, 4 und 5)

Im zweiten Teil Ihrer Reise zum maßgeschneiderten Job oder zu dem Menü Ihres Lebens geht es weiter auf dem Weg nach innen, zu dem, was Sie wirklich wirklich wollen.

Die Bestandsaufnahme wird nun erweitert, um den Blick nach vorn. Sie sieben Zutaten, Elemente und Lieblingessen aus, die Sie beibehalten wollen und Sie spüren nach vorne, was Ihnen noch fehlt, damit das Menü so richtig stimmig und rund für Sie wird.

In einer lauten Welt überhören wir gerne unsere leise innere Stimme, unsere eigene Chefköchin, die ganz genau weiß, was gut für uns ist.

Was können Sie besonders gut?

Was sind die Tätigkeiten im großen beruflichen Umfeld, die Sie sofort anpacken würden, wenn Sie die Wahl hätten? Was tun Sie schon immer gerne und gut? Was tun Sie aber auch gut und nicht gerne? Diese Fragen sind gar nicht leicht zu beantworten. Ich sehe oft fragende Gesichter, wenn Menschen auch nur fünf Dinge aufzählen sollen, die Sie gut können und gerne tun.

Wenn Sie die besten Spagetti-Bolognese in Ihrer Stadt kochen, wissen Sie das oft gar nicht selbst zu schätzen, Sie müssen es sich sagen lassen, damit es Ihnen bewusst wird.

So werden Sie in dieser Phase auch andere Menschen um eine Rückmeldung bitten: Wenn du frei wählen würdest, was würdest du bei mir bestellen? Was bekommst du nur bei mir und bei anderen nicht in dem Maße oder in der Kombination?

Lassen Sie sich beschenken und lassen Sie sich sagen, was anderen bei Ihnen gut schmeckt. Mag sein, Sie denken, das ist doch einfach, das geht so leicht, das kann nichts Wertvolles sein? Und dennoch sind genau die Ihnen zurückgemeldeten Fähigkeiten wichtige Hinweise, was Sie später auf den Markt bringen können, auch wenn es für Sie selbstverständlich ist.

Mögen Sie auch so richtig gutes Sauerteigbrot, das nicht im Backshop aufgebacken ist, sondern direkt aus dem Holzofen kommt? Man kann es viele Jahre essen, ohne dass es einem über wird. Es ist einfach und doch kann es nicht jeder in dieser Qualität liefern.

  • Was ist Ihr Brot? Was ist das, was Sie gut können und andere von Ihnen haben wollen?
  • Für welche Aktivitäten und Tätigkeiten stehen Sie, wenn Sie sich einmal von außen betrachten? Was bleibt immer wieder an Ihnen hängen? Nehmen Sie diese Dinge genauestens unter die Lupe. Was davon ist wirklich „Ihr Ding“, was haben Sie nur geerbt? Was davon tun Sie aus Gewohnheit, Gutmütigkeit oder weil es eben niemand anders so gut kann wie Sie? Fokussieren Sie sich auf die Fähigkeiten, die dann noch übrig bleiben.

Welche Küche möchten Sie näher kennenlernen?

Es gibt immer wieder Menschen, die wir beneiden und mit denen wir gerne die Küche oder das Menü tauschen würden. Vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, dass das Essen auf dem Teller des Nachbarn immer einen Hauch verlockender aussieht – kennen Sie das auch? Hier liegt oft ein erster Geruschneiden_blogch nach dem neuen Leben in der Luft. Machen Sie sich bewusst, welcher Aspekt der Tätigkeit des anderen oder welcher Geschmack der Arbeitsgestaltung Sie reizen würden.

Wir alle haben ein bestimmtes Arbeitsumfeld, eine Branche oder eine bestimmte Berufskultur näher kennengelernt oder gar mehrere. Aber das Arbeitsleben ist bunt. Auch mit Mitte 40 stehen Ihnen andere Küchen offen, vielleicht nicht als Chefkoch, vielleicht aber an im Einkauf oder in der Kundenbetreuung. Nur weil Sie in den letzten zehn Jahren in der Büroküche gearbeitet haben, heißt das nicht, dass die Gartenküche, die Architekturküche oder das Literaturcafé für Sie geschlossen ist.

  • Welche Küchen dieser Welt wollten Sie schon immer einmal probieren und verkosten?
  • Was wollten Sie schon immer einmal selbst tun und haben es sich nie getraut ­ ­– weil es vielleicht bisher nicht zu Ihrem Umfeld passt und Sie damit „aus der Reihe tanzen“?

Wovon möchten Sie mehr essen, was möchten Sie noch entdecken?

Wir alle haben klare geschmackliche Vorlieben und bestellen auch im Restaurant meist eine kleine Palette des immer Gleichen. Da sind wir uns oft über lange Jahre treu. Aber auch hier können Sie sich fragen: Bestelle ich das, weil es mir wirklich besser schmeckt, als das andere auf der Karte? Habe ich diese Vorannahme schon mal überprüft? Bestelle ich nur aus Gewohnheit oder weil ich mir gerade „keinen Kopf“ machen will?

Sortieren Sie doch mal Ihr Alltagskochbuch aus: Welche Rezepte und Interessen sind eigentlich schon lange nicht mehr Ihr Ding? Vielleicht meinen Sie, sie behalten zu müssen, weil der Rest der Familie sie noch braucht.

Welche sind Ihre Dauerbrenner, auf die Sie sich voraussichtlich auch in einigen Jahren noch freuen? Welche Interessen liegen schon lange bereit und warten darauf, einmal ausprobiert zu werden? Was hindert Sie daran, das erste davon einmal zu testen?

  • Was schmeckt Ihnen richtig lecker – vielleicht auch nach Jahren noch? Was ist Ihre Welt, in der Sie sich immer wieder finden (in Buchhandlungen, im Internet, beim TV-Programm, in Kursen)?
  • In welchen Feldern und Interessen vergessen Sie die Zeit und sind möglicherweise über die Jahre bereits Experte/Expertin geworden, ohne dass Sie das bewusst angestrebt haben?

Download Fragebogen: Häppchen 2 (10 Fragen)

Was ist Ihnen wichtig, beim Kochen und beim Essen?

Die Zutaten und das Gericht sind das eine. Doch was uns beim Kochen wichtig ist, wenn wir beispielsweise mit uns alleine und für uns alleine kochen oder auch im gemeinsamen Kochen mit anderen, ist oft subtil. Da kann ein falscher Handgriff, ein blöder Satz oder der falsche Umgang mit den Zutaten uns schon die Vorfreude auf das gute Menü verderben.

Wir sprechen hier von Ihren Werten. Werte sind in der Berufsorientierungsliteratur oft sehr hoch aufgehängt. Ich empfehle Ihnen, schauen Sie lieber genau hin im Alltag. Hier zeigt sich, was Ihnen tatsächlich wichtig ist. Denn wir stehen meistens nicht für irgendwelche abstrakten Werte wie den Weltfrieden oder globale Gerechtigkeit ein, aber wir achten sehr wohl in unserem Alltag darauf beispielsweise ein harmonisches Umfeld zu schaffen, authentisch zu kommunizieren oder genügend Zeit für unsere Selbstverwirklichung zu finden. Und schon haben Sie drei Werte herausgefischt, mit denen Sie arbeiten können.

Also, Wertefragen sind oft gar nicht direkt zu beantworten. Wir können sie aber indirekt ableiten: aus dem, wie wir handeln, welche Ansprüche wir an unsere engen Vertrauten und Partner legen und wofür wir uns einsetzen, was wir gleichsam zutiefst „brauchen“.

Lucy weiß, dass ihr gute Beziehungen extrem wichtig sind, sie ist ein extravertierter Mensch, der im Kontakt aufblüht. Sie macht gerne andere glücklich. Das klappt in ihrer jetzigen Stelle hinter Aktenbergen nicht. Sie braucht auch Anerkennung, damit sie motiviert ist, Höchstleistungen zu bringen. Ihre Wohnung ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und sehr gemütlich. Ja, sie braucht ein Wohlfühlumfeld auch in Arbeit, sagt sie. Umweltschutz ist ihr auch wichtig, sie engagiert sich im NABU. – Und schon hat sie eine Handvoll Kriterien, mit denen sie eine zukünftige Stelle schnell einschätzen kann, ob sie zu ihr und ihren Werten passt oder nicht.

  • Was ist Ihnen für Sie ganz persönlich wichtig? Was ist ein hohes Gut für Sie? Was sollte jemand, der es näher mit Ihnen zu tun haben will, beachten? Wenn Sie jemanden, der Sie nicht kennt, in Ihre Wohnung lassen, wie würde er Sie beschreiben? Was ist Ihnen wichtig?
  • Wonach sehnen Sie sich schon seit längerem, können es aber in Ihrem aktuellen Umfeld nicht so richtig leben und zur Geltung bringen? (Beispielsweise nach mehr Unabhängigkeit oder Großzügigkeit oder Disziplin im Umsetzen von Zielen?)
  • Was ist Ihnen wichtig im Zusammensein mit anderen, in Ihrer Familie und Ihrem Freundeskreis beispielsweise beim gemeinsamen Essen?
  • Und worauf legen Sie Wert in der Welt draußen, in der Sie zukünftig mitkochen wollen? Wofür treten Sie ein, z.B. in der Kommunikation anderen, im Umgang mit Materialien oder in der Unternehmenskultur Ihres zukünftigen Arbeitsfelds?

Download Fragebogen: Häppchen 2 (10 Fragen)

Sind Sie zufrieden im Job? Machen Sie den Eigentlichkeitstest!


Sind Sie zufrieden im Job? Machen Sie den Eigentlichkeitstest!

 Vor einigen Tagen las ich in der „My way“, dass Ganzheitsmediziner als eine der Hauptursachen für Unzufriedenheit im Job bei Frauen den überhöhten Anspruch sehen, erfüllt arbeiten zu wollen und zu müssen. Da der aktuelle Job dann nicht so erfüllend sei, wie die Vorstellung vom eigentlichen Traumjob, steige die Unzufriedenheit und der berufliche Stress. Das hat mich nachdenklich gemacht.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eine vehemente Vertreterin des erfüllten Arbeitens bin. Ich denke übrigens, dass jeder Mensch das Recht dazu hat. Das habe ich unter anderem in meinem Manifest (Link) zum Nachlesen zusammengefasst. Aber muss das sein, dass sich gerade Frauen durch die Diskrepanz zwischen ihrem realen Job und ihrer Vorstellung vom perfekten Job unter Druck setzen lassen?

Denn das würde sich dann einreihen in die Mär vom perfekten Körper, der perfekten Beziehung, der perfekten Familie, des perfekten Eigenheims und was da sonst noch so in unseren Medien und unseren Köpfen herumschwirrt. Wir brauchen keine neue „Druckstelle“. Und gleichzeitig brauchen wir eine gesunde Vorstellung vom erfüllten Arbeiten. Meine Definition will ich kurz mit dem Eigentlichkeitsfaktor erklären.

Der Eigentlichkeitstest: Arbeiten Sie bereits erfüllt?

Wieviel Spaß macht Ihnen Ihr Job eigentlich, gefühlt auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent? Die meisten von uns können da eine Zahl nennen und die ist meistens deutlich über 50 Prozent. Genügt das?

Lassen Sie uns ein wenig tiefer hinschauen: Schreiben Sie doch einmal die Haupttätigkeiten Ihres Jobs auf. Das können Sie pi mal Daumen mit den Tätigkeiten machen, die in einem Monat immer wieder anfallen. Sie können aber auch einfach einen normalen Arbeitstag innerlich durchgehen. Laden Sie sich dazu den Eigentlichkeitstest mit der kleinen Tabelle herunter.

Tätigkeit Anteil in Prozent Eigentlichkeitsfaktor Bewertung

Schreiben Sie in die erste Spalte Ihre Tätigkeiten, z.B. Präsentation vorbereiten, Bericht schreiben, Laborwerte vergleichen, Kundenservice am Telefon etc.

Überlegen Sie, wie hoch der zeitliche Anteil in Prozent an Ihrer Gesamttätigkeit ist. Und dann bewerten Sie ebenfalls in Prozent, wie viel Freude Ihnen diese Tätigkeit eigentlich macht. Das „eigentlich“ ist wichtig, denn es gibt viele Dinge, die wir tun, weil sie zu dem größeren Ganzen beitragen, das wir tun möchten. Wenn ich z.B. ein Buch schreibe, dann gehören Detailrecherchen oder viele Korrekturdurchgänge dazu. Ich nehme sie in Kauf, weil mir das große Ganze Freude macht. Wenn Sie eher ungeliebte Tätigkeiten, die einem größeren Zweck dienen, mit der „Eigentlichkeits-Brille“ anschauen, dann bewerten Sie sie möglicherweise freundlicher, weil Sie den Sinn dahinter sehen können.

Darüber hinaus steht das „eigentlich“ für die Unwägbarkeiten des Alltags, weil natürlich immer wieder Dinge dazwischenkommen, einzelne Gespräche nicht so toll laufen, unser Chef an Ihrem Mailing herumkrittelt, obwohl Sie es gerne geschrieben haben oder wir auch mal aus anderen Gründen schlecht gelaunt sind und keine Lust auf diese Tätigkeit haben. Das sind Faktoren, die Sie durch das „eigentlich“ herausfiltern. Wodurch die Gesamtbewertung für die Tätigkeit dann realistischer ausfällt.

Die Auswertung: Wie zufrieden sind Sie wirklich?

Bewerten Sie dann in der letzten Spalte mit einem positiven oder negativen Smilie, ob das für Sie so in Ordnung ist. Die Bewertung entsteht durch das Zusammenspiel von Eigentlichkeitsfaktor mit dem Tätigkeitsanteil in Prozent. Wenn wir etwas gar nicht gerne machen, es aber selten tun müssen, können wir das in Kauf nehmen, weil dieser Tätigkeitsaspekt eben dazu gehört und die Gesamtbewertung dieser Tätigkeit kann dennoch positiv ausfallen. Wenn Sie beispielsweise nicht gerne im Rampenlicht stehen, aber die Begrüßung einer ausländischen Delegation übernehmen müssen, diese aber sonst gerne betreuen, fallen die fünf Minuten ungeliebte Tätigkeit möglicherweise nicht so ins Gewicht.

Schauen Sie sich nun die letzte Spalte genauer an. Wie fällt Ihr Gesamturteil Ihres Jobs aus? Passt Ihre Bewertung zu der allgemeinen Zahl, die Sie ganz am Anfang geschätzt haben?

Es ist übrigens völlig in Ordnung, hier alle Prozentzahlen und Bewertungen aus dem Bauch heraus abzugeben. Unsere Intuition bezieht sehr viel mehr Erfahrungsaspekte mit ein als unsere Kognition. Und mit einer offenen Skalierung, wie Sie sie gerade mit den Prozentzahlen durchgeführt haben, rufen Sie Ihre Intuition auf den Plan.

Ab wieviel Prozent ist ein Job denn „erfüllt?“

Meines Erachtens, wenn Ihre Gesamtwertung bei 70 Prozent oder besser liegt. Das ist schon richtig gut. Mehr geht fast nicht. Denn auch wenn wir erfüllt arbeiten, besteht unsere Arbeit eben immer wieder aus Aspekten, die uns weniger Spaß machen oder die wir einfach tun müssen, damit das große Ganze stimmt und wir die Ziele unserer Arbeit erreichen. Das Arbeiten ist eben kein Ponyhof und selbst auf dem Ponyhof gehört das Ausmisten dazu, oder?

Machen Sie die Traumjob-Probe

Es könnte sein, dass Sie in einem Moment, in dem Sie gerade mal wieder nicht zufrieden sind mit Ihrer Arbeit, davon träumen, jetzt endlich Ihr kleines Café zu eröffnen, doch noch das Innenarchitektur-Studium durchzuziehen oder als Selbstversorgerin in einer Blockhütte in Schweden zu leben und Ihren Lebensunterhalt über einen DIY-Internetshop zu bestreiten.

Machen Sie doch mal die Probe mit der Tabelle, in der Sie alle Tätigkeiten, die zu Ihrem vermeintlichen Traumjob gehören, ebenfalls so bewerten, wie Sie das mit Ihrem jetzigen Job gemacht haben. Ich verspreche Ihnen, Sie werden überrascht sein, dass Ihr Traumjob selten sehr weit von Ihrem jetzigen Job entfernt ist. Und das ist doch Stress-Reduktion pur! Denn nun wissen Sie, wie Sie Ihre Arbeitssituation realistisch einschätzen können, ohne einem vermeintlichen Idealbild hinterher zu trauern.

Also doch keine berufliche Orientierungsberatung?

Ich bin von ganzem Herzen Laufbahnberaterin und unterstütze Sie gerne auf dem Weg in Ihr erfülltes Berufsleben. Ja spinne ich denn, dann so zu argumentieren wie eben?

Ich denke nicht. Ein wichtiges Ergebnis beruflicher Neuorientierung ist immer wieder, dass der jetzige Job eigentlich ganz prima passt. Oft sind es andere Faktoren, die nicht stimmen, aber an denen kann man etwas tun, ohne das ganze Berufsleben umzukrempeln zu müssen. Wenn Sie noch Ideen benötigen, wie Sie Ihrem Job noch ein paar Prozentpunkte mehr Freude geben können, lesen Sie doch mal meinen Artikel „8 Ideen für mehr Flow im Job„.

Und übrigens gibt es ja noch die Menschen, die mit deutlich unter 70 Prozent aus dem kleinen Eigentlichkeitstest gehen. Herzlich Willkommen, ich freue mich, wenn Sie sich auf den Weg in ein erfüllteres Berufsleben machen. Schauen Sie mal bei meinen Angeboten vorbei. Mehr berufliche Erfüllung garantiert.

Bildquelle: Unsplash | www.pixabay.com

Challenge: „2016 – Ich mach mein Ding“


Dieser Blogartikel dient als Zweit-Kommunikationsplattform.


 

Mein Ding

Unter diesem Blogartikel könnt Ihr Kommentare hinterlassen und Fragen zu den einzelnen Inhalten der Challenge-Tage und Aufgaben stellen, falls Ihr nicht auf Facebook posten möchtet. Ich freue mich auf Eure Beiträge.

 

 

Gute Vorsätze? ­Aber richtig!


5 Tipps, wie Sie gut ins neue Jahr starten und Ihre Vorsätze auch definitiv umsetzen.

Vielleicht stellen Sie auch mit Erschrecken fest, dass Sie schon wieder die gleichen guten Vorsätze fassen wie im letzten Jahr. Kann das denn sein? Sind wir wirklich so willensschwach und veränderungsresistent?

Ich denke, es liegt daran, dass wir uns schlichtweg falls einschätzen. Wir überschätzen unsere Fähigkeit, große Veränderungen einzuläuten. Wir unterschätzen unsere Fähigkeit, kleine Veränderungen wirklich durchführen zu können. Hier meine Ideen dazu, wie Sie Ihre Vorsätze gut in die Realität überführen.

1. Sich eine Sache vornehmen

Auf meiner inneren Agenda stehen im neuen Jahr meistens fünf bis zehn Dinge, Haltungen oder Lebensgewohnheiten, die ich dringend verändern möchte. Das ist definitiv zu viel. Überlegen Sie, womit Sie anfangen möchten. Nehmen Sie den Stress raus und entscheiden Sie sich, mit einem Vorhaben zu beginnen. Es macht zwar Spaß, sich vorzustellen, wie man von heute auf morgen sein Leben umkrempelt und ein (noch) tollerer Mensch wird. Aber durchführbar ist das nicht. Womit möchten Sie anfangen?

Wenn Sie Bedenken haben, dass Sie die anderen Dinge vergessen, tragen Sie sie gut über’s Jahr verteilt in Ihren Kalender ein.

2. Kleine Schritte gehen

Ich hasse diese Empfehlung mit den kleinen Schritten, denn ich bin ein ungeduldiger Mensch. Aber über die Jahre habe ich mich selbst überzeugt, dass das der einzige Weg zur Veränderung ist. Aber warum? Stellen Sie sich einfach vor, wir als Menschen haben ungeheures Verharrungsvermögen in unserer Komfortzone. Diese ist sogar beschützt von Leibwächtern, die jedes Mal, wenn wir unsere Komfortzone verlassen wollen, Alarm schlagen und die Kollegen Angst, Sorgen, Zweifel, Faulheit und andere ungeliebte Mitbewohner unseres inneren Kommittees zur Verstärkung rufen, wenn sie sich bedroht fühlen.

Diese Leibwächter können Sie nur überlisten, wenn die Veränderung so klein ist, dass sie unter der Gefahrenschwelle bleibt und Ihnen eigentlich noch leicht fällt. Das heißt, Sie dehnen die Komfortzone behutsam. Also: Was fällt Ihnen so leicht, dass es Ihnen schon fast lächerlich vorkommt?

Nehmen Sie sich vor, einmal die Woche spazieren oder walken zu gehen, statt dreimal joggen zu gehen. Ach, da stimmt der Herausforderungsgrad für Sie dann nicht? Ja, das kenne ich. Aber niemand hat gesagt, dass es bei einmal spazieren gehen bleibt. Beweisen Sie sich erst einmal, dass Ihr Vorhaben nicht schon an minimalen ersten Schritten scheitert. Das ist die erste Schwelle, die Sie zu nehmen haben. Und immer sachte, damit Sie Ihre Leibwächter nicht wecken.

3. Mit Bordmitteln beginnen

„Bevor, es jetzt richtig losgeht, brauche ich aber noch das passende Ausstattung, sonst macht das auch keinen Spaß.“ Sind bei Ihnen auch in der Vergangenheit zahlreiche Diätprodukte oder  Nahrungsergänzungsmittel in der Mülltonne gelandet und Fitnessgeräte verschrottet worden, weil die Vorsätze schon wieder erlahmt waren, bevor die Equipment-Beschaffung noch abgeschlossen war?

Probieren Sie es diesmal mit Bordmitteln, mit denen Sie noch heute anfangen können. Wenn Sie zeichnen lernen möchten, schieben Sie die Anschaffung des teuren Zeichenmaterials noch ein wenig raus. „Und wenn ich die Freude daran dann schon im Keim ersticke, weil das Material nicht stimmt?“ Glauben Sie mir, wenn Sie wirklich zeichnen lernen wollen, tut es für die ersten Versuche vielleicht ein normaler Bleistift und ein Youtube-Video, um zu testen, ob das wirklich Ihr Ding ist. Oder graben Sie Ihr altes Theraband aus, googlen Sie Theraband Übungen und beginnen Sie jetzt. Wenn Sie Feuer fangen, dann werden Sie sich informieren und dann hält Sie niemand mehr davon ab, sich die Profi-Ausrüstung zuzulegen.

Wenn Sie abnehmen möchten, sind Sie ja vermutlich auch bereits Profi in den ersten Schritten. Es kommt gar nicht so sehr darauf an, welche der vielen Diätregeln Sie umsetzen, die Auswahl ist eher beliebig, die Durchführung ist alles. Ich empfehle Ihnen, das was Sie essen, zu dokumentieren; vier Stunden Zeit zwischen den Mahlzeiten zu lassen; die leeren Kohlehydrate wie Weißmehl und Zucker und darüber hinaus den Obstkonsum zu reduzieren. Wenn das noch nichts hilft, dann essen Sie nichts mehr nach 18.00 Uhr. Das können Sie alles ohne teure Diätprogramme, besondere Lebensmittel oder Ernährungskurse ab heute durchführen. Das Wichtige ist, dass Sie jetzt schon im Kleinen anfangen und den Schwung der Neujahrsmotivation unbedingt mitnehmen.

4. Einen Vorsatz 5 x unverändert durchhalten

Kennen Sie das, Sie fangen eine neue Diät an, haben einen Tagesplan mit klarer Ernährungsstruktur und am ersten Tag bereits vor dem Mittagessen machen Sie die erste Ausnahme? Oder Sie haben einen Trainingsplan für die Woche und weichen bereits nach zwei Trainingseinheiten davon ab. Schließlich wissen Sie es besser. Sie sind ja ein ganz besonderer Mensch mit ganz besonderen Bedürfnissen und Umständen. Das konnten die Experten ja nicht wissen, also müssen Sie Anpassungen vornehmen.

Die schlechte Nachricht ist, dass Sie in dieser Hinsicht tatsächlich nicht so besonders sind, dass Sie nicht einem allgemeinen Plan folgen könnten. Glauben Sie mir, ich bin eine Meisterin der Improvisation und habe mir mit meinem individualistischen Sturkopf schon viele bewährte Programme kaputt improvisiert.

Selbstmanagement-Gurus empfehlen 5 x unverändert bei einem Vorsatz zu bleiben, bevor Sie anfangen, ihn abzuwandeln und Anpassungen vorzunehmen. Nur so ist Ihre Erfahrungsbasis ausreichend groß genug, um wirklich sinnvolle Anpassungen vornehmen zu können. Gehen Sie also fünf Mal Ihren Minischritt aus Abschnitt 2, bevor Sie anfangen, den nächsten dazuzunehmen oder ihn zu modifizieren.

5. Neues Verhalten in eine Gewohnheit verwandeln

Aus der Verhaltenspsychologie wissen wir, dass es mindestens 21 Tage dauert, bis ein Verhalten zu einer Gewohnheit wird (wenn man die Veränderung möchte). Mit meinen Kindern habe ich die Erfahrung gemacht, dass es ca. 300 Mal dauert, ein neues Verhalten einzuschleifen (wenn man die Veränderung nicht möchte), da ging es zum Beispiel um das Thema „Jacke aufhängen“. Aber Sie hatten ja gesagt, dass Sie die Veränderung möchten, oder?

Das Praktische an Gewohnheiten ist, dass wir nicht jedes Mal bewusst über sie nachdenken müssen. Also 21 Tage lang müssen wir uns bewusst daran erinnern, zur Zahnseide zu greifen, danach ist uns dieser Teil der Zahnhygiene dann schon so vertraut, dass wir automatisch danach greifen.

Um diese 21 Tage durchzuhalten, sollten Sie sie dokumentieren. Setzen Sie ein Kreuzchen, einen Punkt, ein Sternchen, einen Smiley oder was auch immer, wenn Sie das Verhalten durchgeführt haben. Sie können sich dazu meine einfache Tabelle hier ausdrucken. Gliedern Sie die neuen Gewohnheiten in kleine, handhabbare Einheiten: Zahnseide verwenden, abends keine Kohlenhydrate essen, 5-Min. Meditation am Ende der Mittagspause.

Es ist ja so eine Sache mit dem Willensmuskel, der bei guten Vorsätzen sehr schnell erschlafft. Aber die meisten Willensmuskel halten die 21 Tage gut durch (wenn die Veränderung nicht zu groß ist s. Abschnitt 2). Wenn Sie Ihren Willensmuskel überfordern, schlägt er zurück. Es ist belegt, dass dann zu Kompensationszwecken das Verhalten in die andere Richtung ausschlägt, sie also nach einer harten Diät deutlich mehr essen, als vorher oder nach einer Phase des Nichtrauchens plötzlich drei Zigaretten pro Tag mehr geraucht werden als vorher. Gehen Sie also behutsam und liebevoll mit Ihrem Willensmuskel um. Locken Sie ihn evtl. mit Belohnungen durch die 21 Tage, danach wird es leichter.

Tja, das war’s. Diese Tipps kommen Ihnen möglicherweise weder besonders spektakulär, noch besonders neu vor. Vielleicht sind Sie jetzt enttäuscht. Die Enttäuschung nehme ich Ihnen aber erst ab, wenn Sie die Kombination aller fünf Tipps ernsthaft probiert haben. Denn wie schon Goethe wusste: „Erfolg hat drei Buchstaben: TUN.“

Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen mit der Umsetzung, die Sie gerne hier in den Kommentaren hinterlassen können.


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Sollten Sie merken, dass dieses Jahr danach ruft, etwas Besonderes zu werden und Sie nicht nur gute Vorsätze haben, sondern etwas Größeres stemmen möchten, dann lade ich Sie ein, an meiner kostenlosen Challenge teilzunehmen. Da zeige ich Ihnen, wie Sie größere Herzensprojekte so angehen, absichern und vorbereiten, dass diese wirklich gelingen.

Bei Interesse tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse hier ein. Die Challenge startet am 18. Januar. Sie erhalten zwei Wochen lang eine E-Mail, die auf die jeweilige Webseite des Tages verlinkt. Dort finden Sie vielfältige Materialien, mit denen Sie Ihr Projekt Schritt für Schritt voranbringen können. Parallel dazu können Sie sich mit anderen Menschen, die auch ihr Herzensprojekt voranbringen, austauschen und sich gegenseitig auf Facebook unterstützen. Ich freue darauf, Sie kennenzulernen.