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Erfüllt arbeiten durch intuitives Zeitsurfen


Von Tätigkeit zu Tätigkeit surfen, jeweils genau im richtigen Moment?

Sind Sie nach den guten Vorsätzen nach zwei Wochen auch schon wieder mittendrin in der alltäglichen Beschleunigung an Ihrem Arbeitsplatz? Versuchen auch Sie schneller, effizienter, cleverer zu arbeiten, damit sie noch mehr schaffen und irgendwann das Wunder geschieht und der Schreibtisch oder die Inbox einmal leer sind?

Vielleicht haben Sie aber auch schon gemerkt, dass das Zeitsparen so nicht klappt, sondern dass sich die Schlange Ihrer Aufgaben schneller füllt, als sie sie „abarbeiten“ können. (Ist das nicht ein furchtbares Wort?)

Der Niederländer Paul Loomans, Zen-Mönch, Unternehmer und Familienvater stellt in seinem jüngst erschienenen Buch „Ich habe Zeit. Gelassen alle Aufgaben meistern“ seine Strategie vor, wie er trotz komplexer beruflicher und privater Anforderungen gelassen und zufrieden sein Arbeitspensum bewältigt.

Das Buch hat mich nachhaltig beeindruckt, denn viele seiner Strategien kommen mir aus meinen besten Arbeitsmomenten bekannt vor. Ich habe sie in keinem anderen Buch so „gehaltvoll“ zusammengefasst gefunden und meine Vermutung, dass die Intuition auch für das Zeitproblem des modernen Menschen eine Lösung bereithält, hat sich bestätigt.

„Wenn wir die Methode des Zeitsurfens anwenden, fällt uns die Effizienz wie eine reife Frucht in den Schoß.“

Was ist Zeitsurfen?

Zeitsurfen definiert der Autor als eine neue Form des Zeit-Managements, das aber nicht bewusst, sondern unbewusst gesteuert wird. Wir erledigen unsere Aufgaben so, dass es sich fast wie ein Tanz anfühlt, den Takt und den Rhythmus geben wir mit unserer Persönlichkeit vor, den dazu passenden Einsatz der einzelnen Instrumente bestimmt die Intuition. Wenn dann die Sinfonie eines Tages erklungen ist, fühlt sich Arbeiten währenddessen und im Rückblick erfüllt an. Ist das nicht zu schön, um wahr zu sein? Kann die Intuition das auch wirklich? Schließlich wird sie immer wieder als Diva beschrieben, die wenig zuverlässig ist, sich nur gelegentlich und oft nicht in den passenden Momenten zeigt, und diese Starallüren sollen dann zu einem besseren Zeitmanagement führen?

Der zweifelhafte Ruf des Bauchgefühls

Wenn wir unserem Bauchgefühl freien Lauf lassen, wählt es dann nicht nur die lustvollen und leichten Tätigkeiten für uns? Paul Loomans Erfahrung ist eine andere. Die Intuition stelle zum jeweils passenden Zeitpunkt die Aufgaben bereit, die wir ihr irgendwann einmal in ehrlicher und soweit möglich positiver Weise vorgestellt haben. Loomans beschreibt, wie wir durch Visualisierung anstehende Aufgaben – seien sie geliebt oder einfach nur notwendig – der Intuition präsentieren. Wir zeigen unserer Intuition, dass wir vorhaben, diese Aufgabe erfolgreich durchzuführen. Wir müssen nicht unbedingt wissen, in welcher Reihenfolge und mit welchen Lösungsbestandteilen wir die Aufgabe ausführen, aber eine gelingende Durchführung sollen wir visualisieren, um zu der zukünftigen Aufgabe eine Beziehung aufzubauen. Dann wird sie von der Intuition angenommen, passend verarbeitet und uns dann, wenn die Zeit reif ist, sozusagen „just in time“ frei Haus geliefert.

Wenn wir „den Fahrer wechseln“, wie Loomans es nennt, wenn wir in Zukunft der Intuition die Regie überlassen, dann erfordert das Vertrauen, dass auf diese Weise nichts Wichtiges vergessen geht. Wer weiterhin versucht, mit zwei Fahrern, die sich gegenseitig ins Lenkrad greifen, zu fahren, wird nicht den Zustand innere Ruhe erleben, den erfülltes und intuitiv gesteuertes Arbeiten ausmacht.

Loomans hat nach vielen Jahren des Experimentierens sieben Leitsätze entwickelt, die als Gesamtsystem so ineinandergreifen, dass sie das Zeitsurfen ermöglichen und gelingen lassen.

1. Bearbeiten Sie immer nur eine Sache zur gleichen Zeit und bringen Sie sie zu Ende.

Das, womit Sie sich gerade beschäftigen, ist Ihre Hauptaufgabe, das bringen Sie dann auch zu Ende. Multitasking funktioniert nicht. Wenn Sie verschiedene Sinneskanäle nutzen, scheint es zu funktionieren, beispielsweise, Sie hören einen Podcast beim Autofahren. Aber entweder es gehen Teile des Podcasts verloren, wenn Sie in eine schwierigere Fahrsituation kommen oder Sie sind weite Strecken auf Autopilot gefahren und haben die Landschaft und die Strecke nicht wahrgenommen, was teilweise nicht so schlimm ist, aber verdeutlicht, dass wir wohl nicht dazu gemacht sind, zwei Dinge konzentriert und mit voller Präsenz gleichzeitig zu tun.

Auch das Zu-Ende-Bringen ist ein wichtiger Teil, der selten Spaß macht: Das Aufräumen nach einem längeren Schreibtisch- oder Gartenprojekt, das Küche-Putzen nach dem Kochen etc. Finden Sie auch nach persönlichen Begegnungen oder Meetings für sich einen kurzen Abschluss, indem Sie durchatmen, sich noch ein paar Notizen machen. Gönnen Sie sich danach eine Zeitinsel (s.u.).

„ Wenn etwas fertig ist, kehrt Ruhe ein. Auch in uns selbst.“

2. Seien Sie sich Ihrer aktuellen Tätigkeit bewusst und akzeptieren Sie auch, dass das jetzt Ihre Tätigkeit ist.

Nehmen Sie Ihre aktuelle Tätigkeit als Hauptaufgabe an. Loosmann gibt den Tipp, diese Aufgabe innerlich zu benennen: „Ich kehre jetzt Straße“, „Ich schreibe jetzt das Protokoll“, das ist wie ein innerer Startimpuls in einen neuen Abschnitt. Versuchen Sie die jeweilige Tätigkeit bestmöglich durchzuführen, so bauen Sie zu dieser Tätigkeit eine Beziehung auf. Das hat etwas mit Wertschätzung und Hingabe zu tun. Kennen Sie das auch, dass Sie viele Tätigkeiten nur als „Mittel zum Zweck“ durchführen, beispielsweise wird die lästige Korrespondenz im Vorfeld eines Projekts schnell hingehuscht, denn das ist ja noch nicht das Eigentliche? Damit lebt man oft im Morgen, der aktuelle Moment verliert an Bedeutung, wird von uns selbst als nachrangig eingestuft und wirkt damit wenig erfüllend.

Loomans weist darauf hin, dass unser Arbeitsstress oft nicht durch die Beschleunigung an sich entsteht, sondern erstens durch den verzweifelten Versuch, mit unserem Verstand die Vielzahl und Komplexität der Arbeitsanforderungen in den Griff zu bekommen. Zweitens lehnen wir viele der bei uns aufgelaufenen Dinge ab, wir halten sie für nervig, unnötig. Wir sind sauer, dass sie bei uns gelandet sind und halten Sie nicht für unsere „eigentliche“ Arbeit. Klar, dass dieser Widerstand Stress verursacht.

Loosmans schlägt vor, sich die einzelnen Tätigkeiten wie Perlen an einer Kette vorzustellen, die man am Ende eines Tages aufgereiht hat. Auch monotone Arbeiten, wie bügeln oder Anträge kontrollieren, können eine eigene Schönheit entfalten. Stellen Sie sich diese Tätigkeiten wie einen Tanz vor, dann können Sie sie regelrecht elegant durchführen. Im Zen-Buddhismus werden diese Tätigkeiten selbst zur Meditation. Bei unangenehmen Tätigkeiten wie Katzenklo-Putzen (Loomans Lieblingsbeispiel), unangenehme Anrufe tätigen oder Keller-Aufräumen können Sie zusätzlich noch zu sich sagen: „Ich nehme diese Tätigkeit an“. Und dann lassen Sie sich darauf ein, dass das jetzt Ihre Aufgabe ist.

„Der Tag besteht aus vielen kleinen aneinandergereihten Stückchen Zeit, die wir wahlweise mehr oder weniger stark zum Leben erwecken können.“

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3. Schaffen Sie sich Zeitinseln zwischen Ihren Tätigkeiten. 

Eine Zeitinsel ist eine ganz andere Tätigkeit zur Unterbrechung von Tätigkeiten, bei der man sich nicht geistig anstrengt und seine Gedanken schweifen lassen kann, z.B. Pflanzen gießen, zum Getränkeautomat gehen, einmal um den Block laufen.

Diese Zeitinseln benötigt unser Geist, um sich auszuruhen. Unsere Intuition bearbeitet Folgendes in diesen Pausen:

  • Sie wertet die zurückliegende Tätigkeit aus und liefert beispielsweise noch Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge.
  • Sie lässt uns durchatmen und zur Ruhe finden. Wir nehmen viel besser wahr, dass wir gerade etwas bewältigt oder geleistet haben.
  • Drittens plant sie bereits die nächsten Schritte der kommenden Tätigkeit.

Zeitinseln können entweder dann eingebaut werden, wenn der Körper signalisiert, „ich werde langsam müde“, wenn Sie zu einem natürlichen Ende mit einer Aufgabe gekommen sind, oder wenn Sie gerade nicht wissen, wie Sie weitermachen sollen oder wollen. Loosmans sieht diese Gedankenpausen auch als „Loslassen von sich selbst.“

4. Widmen Sie Unterbrechungen Ihre volle Aufmerksamkeit.

So ein Büro-Arbeitsalltag oder ein Lehrer-Arbeitsalltag besteht fast nur aus Unterbrechungen, wie soll da „sinnvolles“ Arbeiten noch möglich sein? Wenn Sie wertschätzend mit Unterbrechungen umgehen, werden diese zu eigenständigen Tätigkeiten und gewinnen damit an Ansehen. Sie sind dann nicht länger Störfaktoren.

Diese Unterbrechungen können auch von innen heraus als Gedanken an etwas, das wir nicht vergessen dürfen, auftreten. Hier können Sie wieder üben, kurz zu visualisieren, wie Sie diese Aufgabe durchführen, um Sie danach loszulassen und die volle Aufmerksamkeit wieder Ihrer Hauptaufgabe zu widmen. Nicht beachtete Gedanken sind wie kleine Kinder, die mit immer mehr Nachdruck und Nerverei die Aufmerksamkeit ihrer Eltern erheischen wollen.

5. Freunden Sie sich mit Aufgaben, die Sie vor sich her schieben, an.

Diese unangenehmen Aufgaben nennt Loomans „nagende Ratten“, weil sie uns unterschwellig nicht in Ruhe lassen und Energie für die aktuelle Tätigkeit abziehen. Er schlägt folgende Vorgehensweise in sieben Schritten im Umgang mit ihnen vor:

  1. Sie treffen sich mit dieser Aufgabe in Gedanken und schauen ihr in die Augen (Sie schieben sie also nicht länger weg).
  2. Sie vereinbaren mit ihr, dass sie nicht sofort erledigt werden muss, dass Sie sich gerade nur mal mit ihr zusammensetzen, um sie kennenzulernen.
  3. Fragen Sie sich dann: Was bringen Sie schon mit, um diese Aufgabe zu lösen?
  4. Und was fehlt Ihnen, wo bräuchten Sie evtl. Unterstützung, was müssten Sie sich noch aneignen, um die Aufgabe zu lösen?
  5. Denken Sie darüber nach, was Ihnen schwer fällt an der Aufgabe, wovor Sie evtl. sogar Angst haben.
  6. Visualisieren Sie, wie Sie die Handlung trotzdem durchführen, auch wenn Sie die damit verbundene Spannung spüren.

Durch diese Vorbereitung verbessern Sie Ihre Beziehung zu dieser Aufgabe. Sie wird durch diesen bewussten Umgang von einer „nagenden Ratte“ in ein „weißes Schaf“ umgewandelt. Und weiße Schafe sind Tätigkeiten und Aufgaben, die geduldig hinter uns herziehen und alle dann ihre Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie „dran“ ist. Den Zeitpunkt dafür wird unsere Intuition bestimmen.

„Wenn Sie mit ihnen befreundet sind, werden sie Ihnen treu folgen, ohne Ihnen vor die Füße zu laufen.“

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Je mehr wir im Stress sind, desto eher fallen Tätigkeiten, die uns Spaß machen, die wir „einfach nur so“ einmal wieder gerne durchführen würden, hinten herunter. Diese können Sie genauso behandeln wie „nagende Ratten“. Schenken Sie Ihnen kurz bewusst Aufmerksamkeit. Sehen Sie sich selbst, wie Sie diese erleben werden. Fühlen Sie die Freude, die diese Tätigkeit mit sich bringen wird. – Und sie wird sich als weißes Schaf in die Herde einreihen und zur passenden Zeit von Ihrer Intuition aus dem Hut gezaubert werden. Gerade wenn Sie meinen, dass Sie gar keine Zeit mehr für diese Dinge des Lebens haben, machen Sie die Übung regelmäßig.

6. Hintergrundprogramme beobachten und zur Ruhe bringen.

Hintergrundprogramme in Form von Sorgen oder überholten Glaubenssätzen ziehen Energie von unserer Haupttätigkeit ab. Es ist nicht hilfreich, diese wegzudrücken, weil dahinter immer Emotionen stehen, die gespürt werden wollen – auch wenn unser Denken diese Gefühle als unangenehm einstuft und gerne vermeiden möchte. Loomans schlägt zwei Strategien zur Beruhigung dieser Hintergrundprogramme vor:

  • Gehen Sie spazieren, während des Gehens denken Sie an die Sorge, das Angstgefühl oder die kreisenden Gedanken. Nehmen Sie wahr, wie diese sich im Körper äußern. Alleine diese Wahrnehmung führt dazu, dass die Emotion abnehmen wird.
  • Sie können eine ähnliche Übung auch im Sitzen in einem ungestörten Raum durchführen. Lassen Sie das Gefühl im Körper deutlich werden, beobachten Sie es, aber bewerten Sie es nicht. Versuchen Sie auch nicht in den Widerstand zu gehen, sondern schauen Sie es liebevoll an und sehen Sie ihm dabei zu, wie es sich verabschiedet.

„Die vielen Hintergrundprogramme hatten den Laptop (in diesem Fall unser Gehirn, Anmerkung M.N.) einfach komplett zugemüllt.

7. Intuitiv und spontan entscheiden, was man tun wird.

Die Intuition will also genauso wie unser Verstand umfassend informiert werden, über feste Termine, über Abgabezeiten, vorgeschriebene Meilensteine, zu erstellende Produkte, Auftraggeber etc., so dass sie den Zeitpunkt bestmöglich ermitteln kann, an dem diese Aufgabe zur Erfüllung gebracht werden soll. Nutzen Sie dazu Ihren Terminkalender, evtl. auch To-Do-Listen, die Sie später immer weniger benötigen werden. Wenn Ihre Intuition von Ihnen dann informiert wurde, wenn sie die Aufgabe kurz in der Zukunft visualisiert haben, dann dürfen Sie sie auch Loslassen. Das heißt, sie müssen nicht ständig daran denken, dass da noch etwas Unerledigtes ist und sich Sorgen darüber machen, wann Sie das um Himmels Willen noch in Ihrem vollgestopften Wochenplan unterbringen sollen. Sie haben die Aufgabe eingespeist in Ihr dynamisches Verarbeitungssystem und Sie vertrauen darauf, dass der beste Platz und Zeitpunkt für dieses Puzzlestück von Ihrer Intuition gefunden wird.

Unser Arbeitsleben ist nicht planbar. Zeitmangement-Gurus empfehlen, den Tag nur zu 60 Prozent zu verplanen, damit genug Puffer für Unerwartetes bleibt. Haben Sie das schon mal versucht? Ich würde mit dem reduzierten Pensum nicht durchkommen. Das Tolle an der Intution ist, dass sie gerade nicht erschreckt wird von unerwarteten Aufgaben und vermeintlichen Störungen, da sie dann einfach die Planung anpasst.

„Die Intuition kümmert sich um Ihre Arbeit und sie kümmert sich auch um Sie.“

Sie kennen diese Art der Entscheidung vielleicht aus entspannten Wochenende. Wenn keine Termine anstehen und Sie von Moment zu Moment entscheiden, ganz lustorientiert, wonach Ihnen gerade ist. Wenn Sie im Privatbereich die gleiche Methode angewendet haben, eventuell anstehende Aufgaben der Intuition per Visualisierung vorzustellen, könnte es sogar sein, dass Ihnen dann plötzlich vor dem Biergartenbesuch danach ist, die Klamotten auszusortieren…

Bisher war ich der Meinung, dass wir Flow nur erleben können, wenn wir vertieft und über einen längeren Zeitraum an einer Sache dran bleiben, die uns richtig liegt. Dieses Buch hat mein Verständnis von Flow deutlich erweitert.

Was Sie vom Zeitsurfen haben:

  • Ein sensibles Gespür dafür, wann die Zeit für welche Tätigkeit reif ist.
  • Sie wissen, wann es so leicht wie möglich geht, auch unangenehmere Aufgaben anzupacken, vor denen wir eigentlich zurückscheuen.
  • Die Tätigkeiten greifen organisch ineinander, Sie spüren keine Brüche und sind oft im Flow, obwohl Sie verschiedene Tätigkeiten hintereinander ausführen.
  • Oft präsentiert Ihnen die Intuition sogar mehrere Möglichkeiten, welche Tätigkeiten als nächstes passen würden, da haben Sie dann zusätzlich noch die Freude der Wahl, weil sie gar nichts falsch machen können und der Verstand hat das Gefühl (!), hier auch noch mitspielen zu dürfen.
  • Die Intuition kann die verschiedensten Faktoren, die für Ihre Arbeitszufriedenheit relevant sind, gleichzeitig berücksichtigen: Nicht nur die spezifische Art der Tätigkeit, Abwechslung Ihrer Tätigkeiten untereinander, Termine, die eingehalten werden müssen, sondern auch Ihr Energielevel bzw. Ihren Biorhythmus, Vorlieben im Moment, die Atmosphäre, wenn Sie im Team arbeiten– ist das nicht unglaublich?
  • Mehr innere Gelassenheit und das Vertrauen, dass Sie alle Ihre Aufgaben zur rechten Zeit hinbekommen werden.
  • Durch die Stressreduktion weniger körperliche Belastung und ein gesteigertes Durchhaltevermögen. Sie betreiben aktive Burnout-Prävention.
  • Sie haben mehr Kraft und Energie für das Privatleben übrig, weil Sie sich nicht komplett verausgabt haben und den „Kopf noch frei haben“ für anderes.

Ich bin der Meinung, dass diese Art des Arbeitens uns auch in der Zukunft der Arbeitswelt viel Freude machen wird, in der es zunehmend um Kreativität und einen guten Zugang zur eigenen Intuition geht, um Lösungen für komplexe Fragestellungen in komplexen Zusammenhängen zu entwickeln. Ganz nebenbei bemerkt können wir so unser menschliches Potenzial wunderbar einbringen und müssen nicht in Panik verfallen, weil uns möglicherweise kognitives, rein wissensorientiertes Denken zukünftig von künstlichen Intelligenzen abgenommen wird.

Dann wünsche ich Ihnen Gelassenheit und Geduld beim Selbstexperiment des Zeitsurfens. Schreiben Sie gerne in den Kommentaren, welche Erfahrungen Sie mit dieser Art des intuitiven Arbeitens gemacht haben, ich freue mich darauf.

Und hier der Link zum Buch, falls Sie das Gelesene noch vertiefen möchten:

Sind Sie zufrieden im Job? Machen Sie den Eigentlichkeitstest!


Sind Sie zufrieden im Job? Machen Sie den Eigentlichkeitstest!

 Vor einigen Tagen las ich in der „My way“, dass Ganzheitsmediziner als eine der Hauptursachen für Unzufriedenheit im Job bei Frauen den überhöhten Anspruch sehen, erfüllt arbeiten zu wollen und zu müssen. Da der aktuelle Job dann nicht so erfüllend sei, wie die Vorstellung vom eigentlichen Traumjob, steige die Unzufriedenheit und der berufliche Stress. Das hat mich nachdenklich gemacht.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eine vehemente Vertreterin des erfüllten Arbeitens bin. Ich denke übrigens, dass jeder Mensch das Recht dazu hat. Das habe ich unter anderem in meinem Manifest (Link) zum Nachlesen zusammengefasst. Aber muss das sein, dass sich gerade Frauen durch die Diskrepanz zwischen ihrem realen Job und ihrer Vorstellung vom perfekten Job unter Druck setzen lassen?

Denn das würde sich dann einreihen in die Mär vom perfekten Körper, der perfekten Beziehung, der perfekten Familie, des perfekten Eigenheims und was da sonst noch so in unseren Medien und unseren Köpfen herumschwirrt. Wir brauchen keine neue „Druckstelle“. Und gleichzeitig brauchen wir eine gesunde Vorstellung vom erfüllten Arbeiten. Meine Definition will ich kurz mit dem Eigentlichkeitsfaktor erklären.

Der Eigentlichkeitstest: Arbeiten Sie bereits erfüllt?

Wieviel Spaß macht Ihnen Ihr Job eigentlich, gefühlt auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent? Die meisten von uns können da eine Zahl nennen und die ist meistens deutlich über 50 Prozent. Genügt das?

Lassen Sie uns ein wenig tiefer hinschauen: Schreiben Sie doch einmal die Haupttätigkeiten Ihres Jobs auf. Das können Sie pi mal Daumen mit den Tätigkeiten machen, die in einem Monat immer wieder anfallen. Sie können aber auch einfach einen normalen Arbeitstag innerlich durchgehen. Laden Sie sich dazu den Eigentlichkeitstest mit der kleinen Tabelle herunter.

Tätigkeit Anteil in Prozent Eigentlichkeitsfaktor Bewertung

Schreiben Sie in die erste Spalte Ihre Tätigkeiten, z.B. Präsentation vorbereiten, Bericht schreiben, Laborwerte vergleichen, Kundenservice am Telefon etc.

Überlegen Sie, wie hoch der zeitliche Anteil in Prozent an Ihrer Gesamttätigkeit ist. Und dann bewerten Sie ebenfalls in Prozent, wie viel Freude Ihnen diese Tätigkeit eigentlich macht. Das „eigentlich“ ist wichtig, denn es gibt viele Dinge, die wir tun, weil sie zu dem größeren Ganzen beitragen, das wir tun möchten. Wenn ich z.B. ein Buch schreibe, dann gehören Detailrecherchen oder viele Korrekturdurchgänge dazu. Ich nehme sie in Kauf, weil mir das große Ganze Freude macht. Wenn Sie eher ungeliebte Tätigkeiten, die einem größeren Zweck dienen, mit der „Eigentlichkeits-Brille“ anschauen, dann bewerten Sie sie möglicherweise freundlicher, weil Sie den Sinn dahinter sehen können.

Darüber hinaus steht das „eigentlich“ für die Unwägbarkeiten des Alltags, weil natürlich immer wieder Dinge dazwischenkommen, einzelne Gespräche nicht so toll laufen, unser Chef an Ihrem Mailing herumkrittelt, obwohl Sie es gerne geschrieben haben oder wir auch mal aus anderen Gründen schlecht gelaunt sind und keine Lust auf diese Tätigkeit haben. Das sind Faktoren, die Sie durch das „eigentlich“ herausfiltern. Wodurch die Gesamtbewertung für die Tätigkeit dann realistischer ausfällt.

Die Auswertung: Wie zufrieden sind Sie wirklich?

Bewerten Sie dann in der letzten Spalte mit einem positiven oder negativen Smilie, ob das für Sie so in Ordnung ist. Die Bewertung entsteht durch das Zusammenspiel von Eigentlichkeitsfaktor mit dem Tätigkeitsanteil in Prozent. Wenn wir etwas gar nicht gerne machen, es aber selten tun müssen, können wir das in Kauf nehmen, weil dieser Tätigkeitsaspekt eben dazu gehört und die Gesamtbewertung dieser Tätigkeit kann dennoch positiv ausfallen. Wenn Sie beispielsweise nicht gerne im Rampenlicht stehen, aber die Begrüßung einer ausländischen Delegation übernehmen müssen, diese aber sonst gerne betreuen, fallen die fünf Minuten ungeliebte Tätigkeit möglicherweise nicht so ins Gewicht.

Schauen Sie sich nun die letzte Spalte genauer an. Wie fällt Ihr Gesamturteil Ihres Jobs aus? Passt Ihre Bewertung zu der allgemeinen Zahl, die Sie ganz am Anfang geschätzt haben?

Es ist übrigens völlig in Ordnung, hier alle Prozentzahlen und Bewertungen aus dem Bauch heraus abzugeben. Unsere Intuition bezieht sehr viel mehr Erfahrungsaspekte mit ein als unsere Kognition. Und mit einer offenen Skalierung, wie Sie sie gerade mit den Prozentzahlen durchgeführt haben, rufen Sie Ihre Intuition auf den Plan.

Ab wieviel Prozent ist ein Job denn „erfüllt?“

Meines Erachtens, wenn Ihre Gesamtwertung bei 70 Prozent oder besser liegt. Das ist schon richtig gut. Mehr geht fast nicht. Denn auch wenn wir erfüllt arbeiten, besteht unsere Arbeit eben immer wieder aus Aspekten, die uns weniger Spaß machen oder die wir einfach tun müssen, damit das große Ganze stimmt und wir die Ziele unserer Arbeit erreichen. Das Arbeiten ist eben kein Ponyhof und selbst auf dem Ponyhof gehört das Ausmisten dazu, oder?

Machen Sie die Traumjob-Probe

Es könnte sein, dass Sie in einem Moment, in dem Sie gerade mal wieder nicht zufrieden sind mit Ihrer Arbeit, davon träumen, jetzt endlich Ihr kleines Café zu eröffnen, doch noch das Innenarchitektur-Studium durchzuziehen oder als Selbstversorgerin in einer Blockhütte in Schweden zu leben und Ihren Lebensunterhalt über einen DIY-Internetshop zu bestreiten.

Machen Sie doch mal die Probe mit der Tabelle, in der Sie alle Tätigkeiten, die zu Ihrem vermeintlichen Traumjob gehören, ebenfalls so bewerten, wie Sie das mit Ihrem jetzigen Job gemacht haben. Ich verspreche Ihnen, Sie werden überrascht sein, dass Ihr Traumjob selten sehr weit von Ihrem jetzigen Job entfernt ist. Und das ist doch Stress-Reduktion pur! Denn nun wissen Sie, wie Sie Ihre Arbeitssituation realistisch einschätzen können, ohne einem vermeintlichen Idealbild hinterher zu trauern.

Also doch keine berufliche Orientierungsberatung?

Ich bin von ganzem Herzen Laufbahnberaterin und unterstütze Sie gerne auf dem Weg in Ihr erfülltes Berufsleben. Ja spinne ich denn, dann so zu argumentieren wie eben?

Ich denke nicht. Ein wichtiges Ergebnis beruflicher Neuorientierung ist immer wieder, dass der jetzige Job eigentlich ganz prima passt. Oft sind es andere Faktoren, die nicht stimmen, aber an denen kann man etwas tun, ohne das ganze Berufsleben umzukrempeln zu müssen. Wenn Sie noch Ideen benötigen, wie Sie Ihrem Job noch ein paar Prozentpunkte mehr Freude geben können, lesen Sie doch mal meinen Artikel „8 Ideen für mehr Flow im Job„.

Und übrigens gibt es ja noch die Menschen, die mit deutlich unter 70 Prozent aus dem kleinen Eigentlichkeitstest gehen. Herzlich Willkommen, ich freue mich, wenn Sie sich auf den Weg in ein erfüllteres Berufsleben machen. Schauen Sie mal bei meinen Angeboten vorbei. Mehr berufliche Erfüllung garantiert.

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Acht Ideen für mehr Flow im Job


Acht Ideen für mehr Flow im Job

Wie Sie wieder mehr Lust und Freude in Ihren Arbeitsalltag bringen.

Sind Sie etwas müde geworden in Ihrem aktuellen Job? Wünschen Sie sich wieder mehr Begeisterung und glückliche Momente, in denen alles zu fließen scheint und Sie wieder wissen, warum und wozu Sie arbeiten?

Der Psychologe und Glücksforscher mit dem unaussprechlichen Namen Mihály Csíkszentmihályi gibt erste Hinweise, wie das gehen kann. Seine Erkenntnisse zu Flow im Arbeitsleben sind weniger bekannt, deswegen möchte ich Sie Ihnen gerne hier vorstellen und konkrete Hinweise zur Umsetzung geben.

Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass das Glück ein scheues Tierchen ist: Wenn Sie es unter Druck ergreifen wollen, ist es sofort weg. Sie können demnach keinen Flow und kein Glück herbeizwingen. Sie können aber die Umstände so vorbereiten und Ihre innere Haltung behutsam so anpassen, dass das Eintreten von Flow wahrscheinlicher wird.

1. Ziele finden und dann den Weg genießen

Wenn Sie sich voll und ganz auf eine Tätigkeit, ein Projekt oder eine Handlung einlassen wollen, müssen Sie wissen, was konkret zu tun ist. Dabei gehen Sie ganz bewusst Schritt für Schritt auf Ihr Ziel zu. Sie haben Ihr Ziel vorher für sich geklärt, lassen es aber dann los, um den Weg zum Ziel zu gehen. Vielleicht ist Ihnen selbst schon aufgefallen, dass die eigentliche Freude und die Glücksmomente sich auf dem Weg ereignen. Das Glücksgefühl beim Ankommen am gewünschten Ziel ist oft nur noch ein schwacher Abklatsch davon. Stellen Sie sich vor, Sie gehen schick essen. Macht es etwa Freude, danach befriedigt auf den Prozess des Essens zurückzuschauen oder die leeren Teller anzustarren? Macht es Spaß, sich nachher satt zu fühlen, oder ist es nicht der Prozess, während dem Sie schmecken, riechen, lachen und sich mit netten Menschen unterhalten?

Praxistipp: Halten Sie öfter mal inne und genießen Sie den Weg. Betrachten Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen, die engagiert bei der Sache sind. Sehen Sie in einem guten Gespräch die Bälle hin und her flitzen und freuen Sie sich, dass Sie gemeinsam das Spiel voranbringen.

2. Sich selbst regelmäßig Rückmeldung geben und abholen

Bestenfalls kommt die Rückmeldung für eine von uns ausgeführte Tätigkeit sofort. Das kann ein Kundenfeedback sein, Wertschätzung von Kollegen und Vorgesetzten. Dann fühlen wir uns mit dem, was wir tun, wichtig und bedeutsam für etwas Größeres. Was aber tun, wenn diese äußere Rückmeldung ausbleibt? Können wir dann keinen Flow erleben? Erfahrene Flowarbeiter geben sich selbst diese Rückmeldung.

Praxistipp: Nicken Sie sich kurz zu, wenn sie wieder einen Schritt geschafft haben, stellen sich einmal kurz ans Fenster und genießen den Moment oder holen sich aktiv Rückmeldung von anderen ab: „Wie hast du meine Moderation gestern im Meeting erlebt? Ich würde mich über eine kurze Rückmeldung freuen?“ Oder: „Wir haben ja nun seit einigen Wochen gemeinsam das Projekt durchgeführt. Ich ziehe gerade Zwischenbilanz. Wie haben Sie unsere Zusammenarbeit erlebt?“

3. Den Herausforderungsgrad steuern

Flow findet dann statt, wenn wir im richtigen Herausforderungsgrad arbeiten. Die Tätigkeit muss uns so fordern und reizen, dass wir alle unsere Fähigkeiten in den Ring werfen. Diese sollten dann auch reichen, um die Anforderung, die wir uns gestellt haben oder die andere an uns gestellt haben, zu bedienen. Wenn Sie immer mehr Expertise in einem Bereich aufbauen, können Sie sich immer neuen Herausforderungen stellen – und das müssen Sie tatsächlich auch, sonst bleibt das Flow-Erlebnis leider aus.

Praxistipp: Schreiben Sie eine Liste Ihrer alltäglichen Tätigkeiten und bewerten Sie diese auf einer Skala von 1-10 mit ihrem Herausforderungsgrad. 1 steht für langweilige Routinetätigkeiten, 10 für Tätigkeiten, die sie deutlich überfordern. Schauen Sie, dass Sie mehrfach am Tag im Bereich von 5 bis 8 arbeiten. Bündeln Sie langweilige Tätigkeiten und legen Sie sich direkt danach eine Tätigkeit, die Sie angenehm herausfordert. Wenn Sie merken, dass Sie permanent unter- oder überfordert sind, führt kein Weg an einem Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten vorbei.

4. Den Fokus halten

Wie brauchen ein bestimmtes Maß an Konzentration oder Fokussierung. Wenn Sie eine bestimmte Aufgabe gestellt bekommen, auch wenn es sich nur um ein Spiel handelt, können Sie immer entscheiden, wie stark sie sich einbeziehen oder hineinziehen lassen. Erst wenn hier eine bestimmte Schwelle an Intensität erreicht ist, geschieht Flow. Dann beginnen wir spontan, fast schon automatisch, zu handeln. Die Intuition gesellt sich zur Kognition und erweitert unser Handlungsrepertoire.

Leider findet aktuell eine andere Entwicklung statt. Wir tanzen ständig auf mehreren Baustellen, checken die E-Mails, während wir telefonieren und mit einem Ohr noch dem Kollegen zuhören. Der Mensch ist nicht multitaskingfähig. Durch den Versuch, es doch zu sein, verhindern wir sehr effektiv die Flowmomente, die wir eigentlich haben möchten.

Praxistipp: Das Affengeschnatter im Kopf, wie es die Buddhisten nennen, kann sich nur beruhigen, wenn wir uns auf eine Sache konzentrieren und innerlich ausrichten. Wenn es Ihnen schwerfällt, atmen Sie eine Weile im Zweisekundenrhythmus ein und aus. Dann kann es passieren, dass die Trennung zwischen uns als Person und dem, was wir tun, verschwindet und wir plötzlich eine Energie zur Verfügung gestellt bekommen, die uns trägt. Diesem Geschehen können wir dann dankbar zuschauen und uns nicht denkend einmischen, sonst ist der Zustand oder das Gefühl des Fließens auch relativ schnell wieder vorbei.

5. Im Moment bleiben

Im Flow vergessen wir Vergangenheit und Zukunft. Flow erfolgt nur dann, wenn wir ganz im Moment sind. Sorgen, wegen eines verpatzten Gesprächs oder einer falsch abgeschickten Datei lassen es nicht zu, dass wir in den Flow kommen. Genausowenig Zukunftsängste, ob wir unseren Job nächstes Jahr noch haben werden, ob unsere Frau/unser Partner uns noch liebt usw. Tatsächlich wendet sich der menschliche Geist nur der Vergangenheit und Zukunft zu, wenn er nichts Wichtigeres zu tun bekommt.

Praxistipp: Stellen wir unserem Geist eine Aufgabe mit dem entsprechenden Herausforderungsgrad, bleibt für unfruchtbare Abschweifungen keine Zeit und Energie mehr übrig. Werfen Sie sich mit Lust in die Sache, die Sie gerade tun. Geben Sie sich mit Ihrem ganzen Potenzial hinein und lassen Sie sich überraschen, was geschieht.

6. Vertrauen lernen

Flow entsteht aus der Kontrollüberzeugung, dass wir unserer Aufgabe gewachsen sind. Dieses Gefühl, die Kontrolle zu haben und auch mit komplexen Herausforderungen klar zu kommen, ist auch aus früheren Flowerfahrungen gelernt. Dort haben wir die Selbstgewissheit erfahren, dass der passende Impuls im richtigen Moment kommen wird und wir wissen, was wir zu tun haben. Wir wussten, wie wir uns der Situation anzupassen haben, damit die Aufgabe einen guten Verlauf nehmen kann. Wir haben uns also auch eingeordnet, unseren Platz eingenommen und die Dinge geschehen lassen. Manche gehen so weit, zu schildern, dass sie das Medium sind, in dem sich die Welt zum Ausdruck bringt. Dabei geschehen natürlich Veränderungsprozesse, die zu Wachstum und Entwicklung führen.

Praxistipp: Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Bestes, das Sie in die Situation geben, dazu reicht, dass die Entwicklung gut sein wird. Wenn Sie alles in Ihrer Kraft liegenden getan haben, können Sie loslassen und den Dingen ihren Lauf lassen. Wenn Ihnen das schwer fällt, positionieren Sie einen Zettel oder ein Bild, das für Sie Vertrauen ausdrückt, in Ihrem Sichtkreis am Arbeitsplatz.

7. Den richtigen Moment ergreifen

Im Flow erleben wir ein verändertes Zeitgefühl. Die Zeit kann sich sowohl ausdehnen, wenn die Tätigkeit es erfordert, als auch schneller vergehen, was von vielen Menschen beschrieben wird. Wichtig ist dabei auch ein Gefühl für den richtigen Moment, den Kairos, zu entwickeln. Dann können Prozesse so verlaufen, dass ein Baustein in den anderen greift und es entsteht ein Gefühl von sehr hoher Effektivität.

Praxistipp: Wenn Ihnen im Verlauf des Tages eine Tätigkeit oder Entscheidung sehr schwer fällt und mühsam erscheint, hören Sie auf Ihren Bauch. Vielleicht ist der richtige Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen. Überlegen Sie weiter, was Sie gerade bräuchten, damit die Zeit wieder ins Fließen kommt?

8. Eins-Sein und Sinn erleben

Ein anderes Phänomen, das von Menschen im Zustand des Flows beschrieben wird, ist das Aussetzen des Ich-Bewusstseins. Dabei vergessen wir unsere Alltagssorgen, auch andere Aufgaben, die noch anstehen und nicht selten sogar körperliche Bedürfnisse wie den Gang zur Toilette. Es wird beschrieben als Einssein, in dem man sich in seinem Tun verliert. Manchmal ist es das Aufgehen in einem guten Team, wenn die gemeinsame Arbeit fließt. Manchmal ist es das schon mehrfach benannte Gefühl, zu einem größeren Ganzen zu gehören und darin seinen Platz einzunehmen. Dennoch lösen wir uns nicht auf, wie das in manchen Meditationschulen angestrebt wird, sondern wir sind ganz präsent. Unser ganzes Potenzial im Hinblick auf unseren körperlichen, geistigen und willentlichen Einsatz bleibt erhalten und wird sogar noch gesteigert.

Praxistipp: Sammeln Sie wie ein Eichhörnchen diese Momente – auch „peak experiences“ genannt. Das sind Ihre Schätze, die Sie in Zeiten herausholen können, wenn der Flow auf sich warten lässt.

Wenn Sie das so lesen, könnte der Eindruck entstehen, dass Sie sofort Ihren Job wechseln müssen, damit Sie eine Chance haben, Flow zu erleben. Als Orientierungcoach bin ich der Ansicht, dass Sie das natürlich reflektieren sollten. Aber tatsächlich kann jede Tätigkeit und jedes Erleben erfüllend sein, wenn die entsprechenden Flow-Elemente erfüllt sind.

Ich denke da an einen Bordkartenkontrolleur, der in der Sicherheitszone am Flughaften arbeitet. Dessen Tätigkeit ist für mich eine der ermüdendsten, die ich mir vorstellen kann. Was hat er daraus gemacht? Dieser Mann hat sie als ein intensives menschliches Erlebnis gestaltet , indem er es verstanden hat, die Freude auf die Reise oder den Flug in den Moment zu holen, dich als Mensch anzusehen und mit seiner guten Laune so anzustecken, dass ich jetzt – Jahre später – noch schmunzelnd daran denken muss. Er ist für mich das beste Beispiel, wie aus jeder stupiden Tätigkeit, indem sie um mehrere selbst initiierte Herausforderungsgrade gesteigert wird, eine Flowerfahrung werden kann.

Er hat nicht nur anderen etwas Gutes getan, sondern auch sich selbst. Ein positiver Nebeneffekt nach dem Flowerlebnis ist die Steigerung unseres Selbstwertgefühls. Wir sind es wert, eingebettet in ein größeres Ganzes einen sinnvollen Beitrag zu leisten, damit haben wir unseren Platz in der Welt gefunden.

Zur Vertiefung wärmstens empfohlen: Csíkszentmihályi, M.: Flow im Beruf. Das Geheimnis des Glücks am Arbeitsplatz. Klett Cotta, Stuttgart 2014

Beitragsbild: www.pixabay.de