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3 Wege, wie Sie Ihren Klienten im Coaching endlich die Angst vor Veränderungen nehmen


3 Wege, wie Sie Ihren Klienten im Coaching endlich die Angst vor Veränderungen nehmen

Auch wenn Veränderung ganz natürlich zum Leben dazugehört, scheuen wir alle Veränderungen. Mit Veränderungen gehen große Unsicherheiten einher, manchmal auch nicht abschätzbare Risiken. Die Angst vor Veränderung ist meiner Erfahrung nach eine der größten Blockaden im Coaching. Ganze mehrmonatige Prozesse können daran scheitern, wenn die Angst die Umsetzung der erarbeiteten Lösungswege blockiert. Lernen Sie effektive Wege kennen, wie Sie mit Ihren Klientinnen und Klienten auf emotionaler Ebene an ihren Ängsten arbeiten können, ohne dass die Arbeit zu therapeutisch wird.

 

Sprechen über die Angst, aber wie?

Die Angst ist oft verbal nicht fassbar. Es ist nicht leicht, mit Klienten über ihre Angst ins Gespräch zu kommen. Niemand möchte sich gerne sagen lassen, dass er Angst hat. Vielleicht verwenden Sie alternative Bezeichnungen in Ihren behutsamen Fragestellungen nach der Angst dahinter:

  • Worüber machen Sie sich Sorgen?
  • Was könnte schlimmstenfalls passieren?
  • Was genau befürchten Sie könnte passieren, wenn Sie den Schritt angehen?
  • Sie ruckeln so auf dem Stuhl herum. Zweifeln Sie, dass Sie der Herausforderung gewachsen sind?

Der geeignetere Weg ist oft, Klienten alternative und kreative Angebote zu machen, wie sie ihren Gefühlen im geschützten Raum des Coachings begegnen können. Hier einige meiner Lieblingsmethoden dazu (mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad):

 

Worst-Case-Szenario

Entwerfen Sie ausführlich, ja fast schon genussvoll Worst-Case-Szenarien mit Ihren Klienten. Begründen Sie diese Vorgehensweise, indem Sie erzählen, dass auch jede Unternehmensführung bevor sie eine Phase der Veränderung einleitet, verschiedene Szenarien durchspielt. Das ist also nur professionelles Handeln. Wenn Sie es sich zutrauen, skizzieren Sie das Szenario am Flipchart. Alleine das bringt schon eine gewisse humorvolle Distanz, weil die Skizze vermutlich wenig perfekt sein wird, oder? Darüber hinaus kommt der Klient in den weniger emotional aufgeladenen Metablick, aus dem vielleicht alles doch nicht so schlimm aussieht.

Übertreiben Sie gerne, fordern Sie Klienten auch auf, zu überzeichnen. „Könnte es nicht noch ein bisschen schlimmer kommen? Was wäre, wenn zusätzlich noch … geschehen würde? Wie ginge es Ihnen dann?“ Wenn Sie beide lachen müssen, ist die Angst sofort gebannt!

Überlegen Sie dann gemeinsam, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Szenario so tatsächlich eintreffen würde. Lassen Sie den Klienten hier intuitiv skalieren.

Entwickeln Sie dann ein mittleres Szenario, das auch herausfordernd, aber deutlich wahrscheinlicher ist. Daran anschließen können Sie eine Ressourcenarbeit, mit der der Klient sieht, dass die meisten der Ressourcen möglicherweise bereits vorhanden sind und Wege erarbeitet, die restlichen Ressourcen zu entwickeln oder sich Unterstützung zu holen.

Strategie: Den größten Ängsten direkt ins Auge sehen. Das Unfassbare konkret zu machen. Schlimmer kann es dann nicht kommen.

 

Mit der eigenen Angst ins Gespräch kommen

Nehmen Sie einen Stuhl und setzen Sie symbolisch alle Ängste, alle Sorgen, Befürchtungen, Zweifel etc. Ihrer Klientin auf diesen Stuhl. Vielleicht lassen Sie Klienten dazu Metaplankarten mit allen Einzelaspekten schreiben, die Sie dann auf den Stuhl legen.

Bitten Sie die Klientin, sich die Angst als Person vorzustellen. Lassen Sie sie beschreiben, wie sieht die personifizierte (persönliche) Angst aus? Wie ist sie gekleidet? Welche Körperhaltung nimmt sie ein?

Fragen Sie die Klientin, in welchem Verhältnis sie zur Angst steht. Möglicherweise ist das konflikthaft bei Menschen, die ihre Angst gar nicht leiden können und eher versuchen, diesen Persönlichkeitsanteil abzuspalten. Probieren Sie aus, was geschieht, wenn sich die Klientin einmal auf den Stuhl der Angst setzt unter der Fragestellung: Wie geht’s dieser Person und was bräuchte sie ganz dringend?

Da werden beispielsweise Aspekte genannt wie: Sicherheit, Verständnis, Zeit, Zuwendung, Schutz, Wärme etc. Dann bitten Sie die Klienten wieder Abstand zu nehmen. Überlegen Sie gemeinsam, wie die Bedürfnisse dieses inneren Anteils erfüllt werden können, damit die Angst gesehen, wertgeschätzt wird und nicht im ungelegensten Moment Pläne vereiteln muss. Sprechen Sie evtl. allgemein über innere Anteile, wenn diese Arbeit für Ihre Klientin ungewohnt ist.

Die Angst braucht:

  • Sicherheit: Vielleicht müssen bestimmte Aspekte erst noch abgeklärt werden, bevor größere Veränderungsentscheidungen definitiv getroffen werden.
  • Verständnis/Wärme/Zuwendung: Möglicherweise hat die Klientin bisher für sie bedeutsamen Menschen noch nichts von ihrer Angst erzählt und versucht, alles mit sich alleine auszumachen. Vielleicht wäre es eine Erleichterung, wichtige Menschen des Umfelds „einzuweihen“ und sie um möglichst konkrete Unterstützung zu bitten.
  • Zeit: Manche Veränderungen müssen einfach in dem ureigenen Rhythmus des Klienten vollzogen werden, man kann sie nicht über’s Knie brechen. Dann könnten Sie mit der Klientin daran arbeiten, was die Zeichen wären, wenn die Zeit dann reif ist, um den „kairos“, den idealen Zeitpunkt der Handlung, nicht zu verpassen.

Strategie: Integration der Angst, Zugang über Personifizierung und Beachtung von grundlegenden Bedürfnissen

 

Angstlösungsgymnastik

Angelehnt an eine Methode des Hypnosystemikers Gunther Schmidt, beschreibe ich Ihnen hier, wie Ihre Klienten die Weisheit ihres Körpers zur Angstbewältigung einsetzen können.

Unterstützen Sie Klienten im Stehen, sich mit einer kleinen Entspannung oder Fantasiereise in ihre größte Angst (sie wissen schon Befürchtung, Sorgen, Zweifel…) zu begeben und diesen Zustand körperlich auszudrücken.

Wenn es große Vorbehalte seitens des Klienten gibt, gehen Sie in Vorleistung und machen einmal einige mögliche Körperhaltungen vor. Stellen sie sich während der Arbeit in angemessener Nähe zum Klienten auf, so gelingt es besser, den emotionalen Raum zu unterstützen. Wenn diese Haltung für den Klienten sehr belastend ist, lassen Sie ihn auch schnell wieder aus diesem Zustand heraustreten und ihn in dissoziierter Form beschreiben, wie sich das im Körper angefühlt hat. Die Körperhaltung und das zugehörige Körpergefühl sollte ganz präsent sein.

Dann regen Sie zur Entspannung an, das negative Gefühle aktiv z.B. durch Schütteln oder mit den Händen abzustreifen. Leiten Sie dann wieder eine kleine Reise in die Zukunft an, in den Zustand, wenn die Angst überwunden wäre oder sich wie durch ein Wunder aufgelöst hätte. Wie wäre es dann? Laden Sie den Klienten wieder ein, die entsprechende Körperhaltung einzunehmen und zu beschreiben, wie und wo er etwas im Körper spürt.

Dann lassen Sie ihn im Vergleich dazu noch einmal die andere Körperhaltung einnehmen und eventuell auch einige schnellere Wechsel machen. Was geschieht? Beobachten Sie genau Gestik und Mimik des Klienten, damit sie gut spiegeln können. Fragen Sie, was sich beim Klienten ändert.

Vielleicht entsteht plötzlich eine ausholende Pendelbewegung, mit der der Klient sich mehr Raum greift. Wofür könnte die Bewegung in der konkreten Veränderung stehen. Oder aus dem Kontrast der beiden Bewegungen heraus macht ein Klient plötzlich Kniebeugen. Das steht für ihn dafür, die Veränderung sportlich zu nehmen und ganz proaktiv seine Veränderungsfitness zu trainieren.

Es ist wunderbar zu beobachten, wie es zu einer Art integrativer Bewegung kommen kann, die den ureigenen Lösungsansatz des Klienten ganz prägnant visualisiert. Sprechen Sie anschließend über die erlebte Körpererfahrung und versuchen Sie daraus gemeinsam mit dem Klienten auch kognitive Schlüsse für den Umgang mit der Angst zu ziehen.

Strategie: Über die Weisheit des Körpers zu einer Integration der Angst und körperlichen Verbindung zum Zielzustand zu kommen. Möglicherweise eine Ankerbewegung für zukünftige kritische Situationen im Veränderungsprozess zu finden.

Wenn Sie mit Klienten in dieser Weise arbeiten, werden Sie merken, dass die Prozesse sehr erfüllend, aber auch sehr anstrengend sind. Sie als Coach halten den Raum, nehmen sich ganz zurück und sind doch gleichzeitig hoch präsent. Beispielsweise ist vielen Businesscoachs diese Art der Emotionsarbeit doch eher fremd, aber die Emotionsarbeit mit der Angst lohnt sich und kann den ganzen Veränderungsprozess katalysieren.

Dann wünsche ich Ihnen gutes Gelingen und freue mich über Ihre Anregungen und Fragen und Anregungen in den Kommentaren.

Mäuseregeln der Veränderung


Mäuseregeln der Veränderung

Kennen Sie die noch? Obwohl dieses kleine Veränderungsmanifest schon über 15 Jahre alt ist, finde ich es immer noch hochaktuell.

Stellen Sie sich einfach vor, Sie wären eine Maus. Sie leben glücklich in Ihrer Komfortzone, denn Sie wissen, wo es Käse in rauen Mengen gibt. – Doch plötzlich ist der Käse weg. Nun gibt es eigentlich nur zwei Optionen. Sie können auf ein Wunder warten, beispielsweise, dass Ihnen der große Käsegott den Käse zurückbringt. Aber was wäre, wenn Sie sich auf die Suche nach neuem Käse machen?

Hier die Regeln für veränderungsfähige Mäuse

  • Wer Käse hat ist glücklich.
  • Je wichtiger Dir Dein Käse ist, desto mehr willst Du ihn behalten.
  • Es wird sich etwas ändern! Der Käse bleibt nicht für immer.
  • Sei auf Veränderungen vorbereitet! Mach Dich darauf gefasst, dass der Käse verschwindet.
  • Schnupper oft am Käse, damit Du merkst, wenn er alt wird.
  • Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?
  • Wer eine neue Richtung einschlägt, findet leichter neuen Käse.
  • Wer losgeht und seine Angst hinter sich lässt, fühlt sich frei.
  • Allein schon die Vorstellung davon, wie Dir der neue Käse schmecken wird, führt Dich zu ihm.
  • Je schneller Du den alten Käse sausen lässt, desto eher findest Du neuen.
  • Selbst im Labyrinth zu suchen ist sicherer, als ohne Käse zu sein.
  • Alte Überzeugungen führen Dich nicht zu neuem Käse.
  • Wenn Du erkennst, dass Du neuen Käse finden und genießen kannst, änderst Du den Kurs.
  • Wer kleine Änderungen früh bemerkt, passt sich an die großen später leichter an.
  • Genieße die Veränderung! Koste das Abenteuer aus und lass Dir den neuen Käse schmecken.
  • Mach dich darauf gefasst, Dich schnell zu ändern, und hab wieder Spaß daran. Denn der Käse wird immer wieder verschwinden …

Ich gebe diese Regeln gerne Klienten mit, die sich mit Veränderungsprozessen so richtig schwer tun. Die Mäusemetapher macht es ein wenig leichter zu sehen, dass Veränderungen einfach zum Leben dazu gehören – und die Menschen sie nicht gepachtet haben, vermutlich aber als einzige Lebewesen so bewusst unter ihnen leiden.

Tja – Und was ist Ihr Käse heute?

Aus: Spencer Johnson (2000): Die Mäusestrategie für Manager: Veränderungen erfolgreich begegnen, Ariston

Beitragsbild: © www.pixabay.de