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Die Magie der unternehmerischen Persönlichkeit – Buchtipp


Rezension: Die Magie der unternehmerischen Persönlichkeit – Wie Trainer und Coachs auf allen Ebenen erfolgreich werden. Von Heide Liebmann

Was sind Sie? Trainer, Berater und Coach (TBC) – Nun, das kann bekanntlich alles sein oder nichts. Was macht Sie dennoch auf dem unübersichtlichen Coaching- und Trainingsmarkt einzigartig und sichtbar und wie positionieren Sie sich am Markt mit diesem Eigenen (noch) besser? Diese und noch viel mehr Fragen beantwortet Heide Liebmann in ihrem jüngst in der Edition Training aktuell erschienenen Buch.

51ceN+eWD-L._SX344_BO1,204,203,200_Das Zentrum des Buches bilden die vier Mosaiksteine der unternehmerischen Persönlichkeit. Ich mag diese modellgeleiteten Bücher, bei denen der gefühlte Fortschritt schon in der Struktur gegeben ist und die Struktur über die Mosaiksteine „Persönlichkeit“, „Rahmenbedingungen“, „Zugehörigkeit“ und „Außenwirkung“ vollzieht für mich den Klärungs- und Profilfindungsprozess von innen nach außen sinnvoll nach. Wenn Sie den kleinen Fragebogen zu dem aktuellen Stand Ihrer unternehmerischen Persönlichkeit am Ende des Buches direkt am Anfang intuitiv ausfüllen, steigt sicher auch die Motivation, sich intensiv mit den Inhalten und Anregungen des Buches zu beschäftigen, da vermutlich die meisten von uns in allen Bereichen einige Defizite entdecken werden. (Hierbei hatte mich nur irritiert, dass die positiven Smilies links stehen).

Heide Liebmann gibt ganz am Anfang einen Einblick in die Entwicklung ihrer eigenen unternehmerischen Persönlichkeit, das ist sympathisch und von jemandem, der selbst ausreichend gescheitert ist, lassen sich viele Impulse m.E. leichter annehmen.

Die vier Mosaiksteine

Im ersten Mosaikstein geht Frau Liebmann auf die Persönlichkeit als Grundlage des Coachs- oder Trainerberufs ein. Es geht darum, seine professionelle Rolle noch einmal besser klar zu bekommen, sich auch mit der tieferen Motivation für das Tun auseinanderzusetzen und mit potenziellen (Erfolgs-)Widerständen, die ja gerade im unternehmerischen Handeln oft gegeben sind, weil es sich vermeintlich mit der menschlichen, sinnstiftenden Ausrichtung unserer Profession „beißt“ . Immer wieder geht Frau Liebmann auch auf das Thema Selbstfürsorge ein, das zumindest für Langstreckenläufer/innen eine große Bedeutung hat. Bestenfalls haben Sie am Ende ihr Selbstbild mehr fokussiert und Ihre unternehmerischen Qualitäten in dieses Selbstbild gut integriert.

Im zweiten Mosaikstein, den Rahmenbedingungen, leitet Frau Liebmann dazu an, sich noch einmal intensiv mit Zielgruppen und unseren Wunschkunden zu befassen und bewusst den Perspektivenwechsel zu vollziehen, der vielen Coachs und Trainern so schwer fällt. Wir denken gerne von uns und dem aus, was wir Wertvolles zu geben haben. Die konsequente Nutzenorientierung ist hingegen ein Kraftakt, der aber notwendig ist, um Ihre Zielgruppe abzuholen. Auch auf Trends und die notwendige Spürnase für Angebote, die Sie aus der grauen Masse hervorheben geht sie ein. Das Thema Selbstmächtigkeit wird angeschnitten und wer in Unternehmenskontexten arbeitet, weiß, wovon sie spricht, wenn es um „vergiftete Aufträge“ geht, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Das Thema Geld und Honorare schlägt Frau Liebmann vor, mit einer Aufstellungsübung anzuschauen, die für mich sehr erhellend war.

Den dritten Mosaikstein bezeichnet sie mit dem Schlagwort Zugehörigkeit, hier geht es darum, sich in ein förderliches Biotop zu begeben, Unterstützung von Kollegen und Kolleginnen, aber auch im eigenen Umfeld zu finden und von der Einzelkämpfer-Mentalität Abschied zu nehmen. Den inneren Fanclub kannte ich schon aus dem Buch „Act big“. Er ist ein tollen Instrument, das eigene Leben konstruktiv von einer inneren Jury begleitet zu wissen. Dann legt sie uns das Thema Netzwerken ans Herz, das sicher einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren für eine gute Sichtbarkeit ist und stellt verschiedene Online-Medien, Plattformen und andere Kooperationsformen mit ihren Möglichkeiten vor. Das Kapitel schließt mit der Reflexion der eigenen Rolle. Wenn Sie Ihr Profil schärfen möchten, können Sie über die klare Kommunikation Ihrer Rolle immer Ihren USP besser herausarbeiten.

Im vierten und letzten Mosaikstein, der Außenwirkung, geht es nun darum, die Ergebnisse aus den anderen Mosaiksteinen auch nach außen zu bringen. Besonders haben mir hier die kreativen Impulse zur Reflexion des eigenen Angebots bzw. zur Neuformierung von Angeboten gefallen. Weiterhin finden sich hier Anregungen für Kundenevaluation, Honorarverhandlungen und es wird nochmal deutlich, was Frau Liebmann unter authentischem Marketing versteht. Das Kapitel schließt mit dem oben schon angesprochenen Selbsttest.

Als bereichernd und auflockernd empfinde ich die Interview-Bausteine verschiedener Unternehmerinnen und Unternehmer (aus Frau Liebmanns Netzwerk), die uns als Leser/innen mit vielen Praxis-Inputs und Best-Practise-Anregungen durch das Buch begleiten.

Das Rahmenprogramm

Der Rahmen des Buches bestehend aus einer Hinführung zum Modell und immer wieder strukturierenden Zusammenfassungen, was man bis dahin eigentlich schon wissen sollte und durchgeführt haben sollte. Das wirkt einerseits schulbuchmäßig, macht mir aber auch bewusst, wie gerne ich unangenehme Partien und offensichtliche Handlungsdefizite überlese und sie wirklich vorsätzlich 😉 nicht angehe. Das gefällt mir besonders gut, dass Frau Liebmann eben die inneren Prozesse, Vorbehalte und tief sitzenden Anti-Marketing-Glaubenssätze in den Blick nimmt und hier auch eine Fülle an intuitiven und kreativen Zugängen anbietet. Genau an dem Punkt werden allerdings immer wieder die Grenzen des Mediums Buch erreicht. Vieles davon lässt sich vermutlich in einem Live-Positionierungscoaching besser erarbeiten. Es benötigt eben schon eine hohe Motivation und Selbstführungskompetenz, beispielsweise Aufstellungen, bildhafte Visionsarbeit und diverse Kreativitätstechniken mit sich selbst anzuwenden.

Das Buch bietet ein Rundum-Programm, das vieles Bewährte, was Sie aus Coaching-Kontexten längst mit Ihren Klienten anwenden, in angenehmer Form aufgreift und uns dazu ermutigt, das eigene Instrumentarium auch konsequent für die eigene Fokussierung, Positionierung und das authentische Marketing einzusetzen. Der Schlüssel liegt wie immer im Tun. Das ist zwar wenig magisch. Vielleicht ja aber die Erfolge, ich lasse mich überraschen. Meine To Do-Liste ist jedenfalls deutlich länger als bei vergleichbaren Büchern, beispielsweise von B. Kurz oder G. Weyand. Frau Liebmann scheint mir hier gelegentlich als praktizierende Coach und vielleicht auch als Frau näher dran zu sein am Verstehen der inneren Prozesse (vieler Frauen), die es immer wieder so schwer machen, die eigene Leistung auf die Straße zu bringen und dafür auch noch angemessene Fahrpreise zu verlangen…